Visual HistoryChronik des islamischen Imperiums

War die Islamische Expansionen kein Kolonialismus?

Dr. Mohamed Elhamy

Die Geißel des Kolonialismus und das Wunder des Aufbruchs: Die islamische Eroberung (الْفَتْح) im unbestechlichen Vergleich zur westlichen Besatzung

Eine geschichtswissenschaftliche Richtigstellung, die Demontage eurozentrischer Geschichtsbeschönigung und die Etablierung des zivilisatorischen Rettungscharakters auf Basis der Analysen von Dr. Mohamed Elhamy [54]


1. Die Macht des Begriffs und die Suggestion der Feinde: Der sprachwissenschaftliche Hochverrat

Wenn moderne Säkularisten, voreingenommene westliche Historiker oder jene Muslime, die unter dem psychologischen Druck der heutigen Niederlage stehen, unsere Geschichte betrachten, versuchen sie stets, den edlen Begriff der islamischen Eroberungen (الْفُتُوحَاتُ الْإِسْلَامِيَّةُ – Al-Futuhat) zu vergiften [54]. Mit einer spöttischen, anklagenden Stimme rufen sie aus: „Es gibt keine ‚Öffnungen‘ oder ‚Eroberungen‘! Ihr seid in fremde Länder eingedrungen, habt sie mit Gewalt unterworfen, geplündert und besetzt – nennt es beim Namen: Es war brutaler Kolonialismus und imperiale Besatzung [الِاحْتِلَالُ], genau wie jeder andere Raubzug der Weltgeschichte auch!“ [54].

Tritt diesen anmaßenden Lügen mit dem Licht der geschichtlichen Realität und der unbändigen Würde deines Glaubens entgegen! [54]

Um diese manipulative Begriffsverwirrung an der Wurzel zu packen, müssen wir uns an die unsterblichen Worte des arabischen Dichters Ibn al-Rumi (ابْنُ الرُّومِيِّ) über die Macht der suggestiven Sprache (Sihr al-Bayan / سِحْرُ الْبَيَانِ) erinnern [55]:

«تَقُولُ هَذَا رَحِيقُ النَّحْلِ تَمْدَحُهُ … وَإِنْ تَعِبْ قُلْتَ ذَا قَيْءُ الزَّنَابِيرِ»

„Du sagst, dies sei der goldene Nektar der Biene, wenn du es loben willst; doch wenn du es tadelst, schreist du, es sei das saure Erbrechen der Wespen!“ [55]

Es ist dieselbe Substanz, doch der Name entscheidet darüber, ob die Seele sich ihr liebevoll nähert oder sich voller Abscheu von ihr abwendet [55]. Wenn wir den Begriff „Al-Futhuhat“ (الْفُتُوحَات) verteidigen, tun wir dies nicht aus einer eitlen Schwäche heraus, um unsere Geschichte sprachlich „schönzureden“ oder vor der westlichen Moderne zu rechtfertigen [54]. Nein! Wir tun es, weil der Unterschied zwischen einer islamischen Öffnung (Feth) und der kolonialen Besatzung (Ihtilal) ein fundamentaler, unüberbrückbarer Unterschied der Absichten, der Methoden und der zivilisatorischen Früchte ist [54].

Linguistisch und historisch bedeutet „Feth“ (الْفَتْح – Die Öffnung) das Aufbrechen einer verschlossenen Barriere, um dem dahinter liegenden Raum Licht, Gerechtigkeit, Wohlstand und die unendliche Freiheit der Wahl zu schenken [54]. Die islamischen Eroberungen waren die größte zivilisatorische Rettungsaktion der Menschheitsgeschichte [54, 57]. Sie kamen nicht, um die einheimische Bevölkerung zu versklaven, sondern um das Joch der tyrannischen Großreiche – Byzanz und Persien – zu zerschlagen und dem Menschen seine gottgegebene Würde zurückzugeben [54, 58].

Die westliche Besatzung (الِاحْتِلَالُ / Ihtilal) hingegen ist ein parasitärer Akt: Sie dringt in ein Land ein, saugt dessen Reichtümer aus, zerstört die einheimische Kultur, erklärt die Bevölkerung zu Menschen zweiter Klasse und hinterlässt nichts als verbrannte Erde, Armut und das Chaos des moralischen Verfalls [54, 58]. Die Behauptung, beide Phänomene seien identisch, ist ein intellektueller und wissenschaftlicher Hochverrat [54].


2. Die fünf Dimensionen des historischen Wunders: Das Zeugnis der ungläubigen Orientalisten

Um diese historische Einzigartigkeit der islamischen Eroberungen wissenschaftlich unangreifbar zu untermauern, hat Dr. Mohamed Elhamy im Jahr 2016 eine wegweisende Forschungsarbeit für eine internationale wissenschaftliche Konferenz im Königreich Marokko verfasst [54]. Er wählte dabei eine methodische Herangehensweise von unbestechlicher Härte [54]: Er stützte die gesamte Beweisführung über die Einzigartigkeit der islamischen Eroberungen ausschließlich auf die Schriften namhafter, nicht-muslimischer westlicher Orientalisten und Historiker, die zeit ihres Lebens Nichtmuslime blieben und als solche starben [54]. Dadurch wird jeder Vorwurf einer „muslimischen Voreingenommenheit“ oder des „subjektiven Eigenlobs“ im Keim erstickt [54].

Aus dieser akribischen Forschung kristallisieren sich fünf unbestreitbare Dimensionen des historischen Wunders (وُجُوهُ الْإِعْجَازِ التَّارِيخِيِّ) heraus, die die islamischen Eroberungen auf eine einsame, unerreichbare Stufe über alle anderen globalen Expansionen der Menschheitsgeschichte heben [54]:

I. Der rasende Aufstieg mit ewiger Verwurzelung (الِاتِّسَاعُ مَعَ الرُّسُوخِ)

In der gesamten Weltgeschichte gilt ein unerbittliches Gesetz für alle imperialen Expansionen [54]: Entweder eine Eroberung geschieht in einem rasanten, explosiven Tempo und bricht ebenso schnell wieder in sich zusammen – wie das gigantische, aber ephemere Reich der Mongolen (الْمَغُول), das innerhalb von weniger als einhundert Jahren schrumpfte und dessen Herrscher sich schließlich kulturell und religiös der Religion der Besiegten, dem Islam, unterwarfen [54]. Oder eine Expansion verläuft mühsam, langsam über Jahrhunderte hinweg, um eine dauerhafte Verwaltung aufzubauen – wie das Römische Reich (الْإِمْبَرَاطُورِيَّةُ الرُّومَانِيَّةُ) [54].

Die einzige Ausnahme von diesem historischen Naturgesetz ist die islamische Expansion [54]: Sie war atemberaubend schnell und gleichzeitig für alle Ewigkeiten felsenfest verwurzelt [54]. Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten erstreckte sich der islamische Staat von den Grenzen Chinas bis nach Südfrankreich [54]. Und jene Gebiete, die in dieser ersten Welle geöffnet wurden, sind bis zum heutigen Tag – nach über 1400 Jahren – fest im Schoß der islamischen Ummah verblieben, ohne dass der Glaube oder die Kultur je wieder verdrängt werden konnten (mit der tragischen Ausnahme von Al-Andalus) [54].

Der berühmte österreichisch-jüdische Orientalist Gustav von Grunebaum (غُوسْتَاف فُون غْرُونِيبَاوم) bezeugt dieses Wunder in seinem Werk „Die islamische Zivilisation“ (الحضارة الإسلامية) mit staunenden Worten [54]:

«كَانَتِ السُّرْعَةُ الْفَائِقَةُ الَّتِي فَتَحَ الْإِسْلَامُ بِهَا مَا فَتَحَ مِنَ الْبِلَادِ وَلَمْ يُضِفْ إِلَيْهَا بَعْدَ ذَلِكَ أَوْ يَفْقَدْ مِنْهَا شَيْئًا كَبِيرًا هِيَ الَّتِي جَعَلَتْ تَوْزِيعَ الْعَالَمِ الْمُتَحَضِّرِ نِهَائِيًّا ثَابِتًا مُنْذُ زَمَنٍ بَاكِرٍ يَرْجِعُ إِلَى مُنْتَصَفِ الْقَرْنِ الثَّامِنِ»

„Die überragende Schnelligkeit, mit der der Islam die Länder öffnete, und die Tatsache, dass er danach kaum nennenswerte Gebiete hinzufügen musste oder wieder verlor, war es, was die endgültige Verteilung der zivilisierten Welt bereits seit einem sehr frühen Zeitpunkt, der auf die Mitte des achten Jahrhunderts zurückgeht, dauerhaft stabilisierte.“ [54]

Der russische Historiker Alexei Zhuravsky (أَلِيكْسِي جُورَافِيسْكِي) schreibt in seinem Buch „Islam und Christentum“ (الإسلام والمسيحية) [54]:

«ظُهُورُ الدِّينِ الْإِسْلَامِيِّ وَتَرَسُّخُهُ السَّرِيعُ وَالْقَوِيُّ عَلَى أَرَاضٍ آسِيَوِيَّةٍ وَأَفْرِيقِيَّةٍ وَاسِعَةٍ فِي أَثْنَاءِ مَسِيرَةِ الْفُتُوحَاتِ الْعَسْكَرِيَّةِ الدِّينِيَّةِ لِلْعَرَبِ حَدَّدَ بِصُورَةٍ حَاسِمَةٍ مَصَائِرَ الْمَسِيحِيَّةِ الشَّرْقِيَّةِ الَّتِي قَابَلَتِ الدِّينَ الْجَدِيدَ دُونَ أَيِّ مُقَاوَمَةٍ بَلْ وَبِالتَّرْحَابِ فِي كَثِيرٍ مِنَ الْمَنَاطِقِ»

„Das Erscheinen der islamischen Religion und ihre rasant schnelle, kraftvolle Verwurzelung auf weiten asiatischen und afrikanischen Territorien während der militärisch-religiösen Eroberungen der Araber besiegelte auf entscheidende Weise das Schicksal der orientalischen Christenheit, welche der neuen Religion ohne jeden Widerstand, ja in vielen Regionen sogar mit freudigem Willkommen begegnete.“ [54]

In der monumentalen sechsbändigen französischen Enzyklopädie „Histoire Générale des Civilisations“ (تاريخ الحضارات العام) beschreibt der französische Historiker Édouard Perroy (إِيدْوَار بُرُوي) diesen epochalen Durchbruch mit einer fast schon poetischen Ehrfurcht [54]:

«ظَهَرَ الْإِسْلَامُ كَالشِّهَابِ السَّاطِعِ فَحَيَّرَ الْعُقُولَ بِفُتُوحَاتِهِ السَّرِيعَةِ الْقَاصِمَةِ وَبِاتِّسَاعِ رُقْعَةِ الْإِمْبَرَاطُورِيَّةِ الَّتِي أَنْشَأَهَا. نَحْنُ أَمَامَ شَعْبٍ كَانَ لِلْأَمْسِ الْغَابِرِ مَجْهُولَ الِاسْمِ مَغْمُورَ الذِّكْرِ، فَإِذَا بِهِ يَتَّحِدُ وَيَتَضَامُ فِي بُوتَقَةِ الْإِسْلَامِ. هَذَا الدِّينُ الْجَدِيدُ الَّذِي انْطَلَقَ مِنَ الْجَزِيرَةِ الْعَرَبِيَّةِ اكْتَسَحَتْ جُيُوشُهُ بِبِضْعِ سَنَوَاتٍ الدَّوْلَةَ السَّاسَانِيَّةَ وَهَدَّتْ مِنْهَا الْأَرْكَانَ، وَرَفْرَفَتْ بُنُودُهُ فَوْقَ الْوِلَايَاتِ التَّابِعَةِ لِلْإِمْبَرَاطُورِيَّةِ الْبِيزَنْطِيَّةِ فِي آسِيَا وَأَفْرِيقِيَا… وَتَهَاوَتِ الدُّوَلُ أَمَامَ الدَّفْعِ الْعَرَبِيِّ الْإِسْلَامِيِّ كَالْأُكَرِ، وَتَدَحْرَجَتِ التِّيجَانُ عَنْ رُؤُوسِ الْمُلُوكِ كَحَبَّاتِ سُبْحَةٍ انْفَرَطَ عَقْدُهَا الْعَظِيمُ. وَهَذِهِ الْأَدْيَانُ الَّتِي سَيْطَرَتْ عَلَى الشُّعُوبِ… ذَابَتْ كَمَا يَذُوبُ الشَّمْعُ أَمَامَ النَّارِ»

„Der Islam erschien wie ein gleißender Komet und verwirrte den menschlichen Verstand durch seine rasanten, vernichtenden Eroberungen und die ungeheure Weite des Reiches, das er erschuf. Wir stehen vor einem Volk, das bis gestern in tiefer Vergessenheit lebte, namenlos und bedeutungslos, und das sich plötzlich in der Schmelzpfanne des Islams vereinte. Dieses neue Glaubensbekenntnis, das aus den Tiefen der arabischen Halbinsel entsprang, fegte mit seinen Heeren innerhalb weniger Jahre das gewaltige Sassanidenreich hinweg und zertrümmerte dessen Fundamente. Seine Banner wehten über den reichsten Provinzen des Oströmischen Reiches in Asien und Afrika… Die Reiche stürzten vor dem unaufhaltsamen arabisch-islamischen Vorstoß um wie Kegel, und die Kronen rollten von den Häuptern der Könige wie die Perlen eines zerrissenen Rosenkranzes. Und jene Religionen, die diese Völker jahrhundertelang beherrscht hatten, schmolzen dahin wie Wachs im Angesicht des Feuers!“ [54]

Der britische Schriftsteller und Historiker Herbert George Wells (إِيتْش جِي وِيلْز) schreibt in seinem Werk „A Short History of the World“ [54]:

«أَعْجَبُ قِصَصِ الْفُتُوحِ الَّتِي مَرَّتْ عَلَى مَسْرَحِ تَارِيخِ الْجِنْسِ الْبَشَرِيِّ»

„Es ist die erstaunlichste und bewundernswerteste Geschichte von Eroberungen, die je auf der Bühne des menschlichen Geschlechts stattgefunden hat.“ [54]

Und der monumentale Kulturhistoriker Will Durant (وِيل دْيُورَانْت) hält in seinem weltberühmten Werk „The Story of Civilization“ (قصة الحضارة) fest [54]:

«أَصْبَحَتِ الْفُتُوحُ الْعَرَبِيَّةُ الَّتِي كَانَتْ أَسْرَعَ مِنَ الْفُتُوحِ الرُّومَانِيَّةِ وَأَبْقَى عَلَى الزَّمَانِ مِنَ الْفُتُوحِ الْمَغُولِيَّةِ أَعْظَمَ الْأَعْمَالِ إِثَارَةً لِلهَيْبَةِ وَالدَّهْشَةِ فِي التَّارِيخِ الْحَرْبِيِّ كُلِّهِ»

„Die arabischen Eroberungen, die schneller verliefen als die römischen und auf der Achse der Zeit dauerhafter blieben als die mongolischen Raubzüge, wurden zu den ehrfurchtgebietendsten und erstaunlichsten Taten der gesamten globalen Militärgeschichte.“ [54]

II. Der „Fatih“ statt der „Ghalib“: Das Gesetz des zivilisatorischen Schmelztiegels (الْفَاتِحُ لَا الْغَالِبُ)

Der genialste Denker der Geschichtsphilosophie, Arnold J. Toynbee (أَرْنُولْد تُوِينْبِي), analysierte in seiner zwölfbändigen Forschungsreihe „A Study of History“ (دراسة التاريخ) ein ehernes Gesetz aller Eroberungen [54]: Wenn ein fremdes Volk in eine bestehende Hochkultur eindringt, steht es vor einer unbarmherzigen Alternative [54]. Entweder es unterwirft sich kulturell und religiös den Riten der ansässigen Bevölkerung (wie es Alexander der Große tat, als er in Ägypten den Gott Amun anbetete, oder wie Napoleon, der sich in Kairo als Freund des Propheten inszenierte) [54]. Oder es verweigert diesen kulturellen Kompromiss und wird im Laufe der Jahrhunderte unweigerlich von den Einheimischen wieder ausgespien und vertrieben [54].

Toynbee stellt fest, dass es in der gesamten Menschheitsgeschichte nur einen einzigen, spektakulären Ausbruch aus diesem Gesetz gibt [54]: die frühen islamischen Eroberungen [54]! Die muslimischen Araber kamen aus der unkultivierten Wildnis, weigerten sich strikt, das christliche oder zoroastrische Bekenntnis ihrer hochzivilisierten Untertanen anzunehmen, behielten ihren reinen, stolzen Monotheismus bei – und dennoch wurden sie nicht vertrieben [54]. Im Gegenteil: Die unterworfenen Völker gaben ihre jahrtausendealten Religionen und Sprachen freiwillig auf und verschmolzen vollständig im islamischen Glauben [54]. Toynbee schreibt (in Version des Nationalen Übersetzungszentrums in Kairo, Band 2, S. 248–249) [54]:

«وَثَمَّةَ اسْتِثْنَاءٌ مِنْ قَاعِدَتِنَا يُمَثِّلُهُ الْعَرَبُ الْمُسْلِمُونَ الْأَوَائِلُ… بَيْدَ أَنَّ الدَّوْرَةَ التَّارِيخِيَّةَ لِلْعَرَبِ الْمُسْلِمِينَ الْأَوَائِلِ يُعْتَبَرُ دَوْرًا اسْتِثنائيًّا تَمَامًا، وَيُعْتَبَرُ تَارِيخُ الْإِسْلَامِ حَالَةً خَاصَّةً لَنْ تَنْسَخَ نَتَائِجَ بَحْثِنَا الْعَامَّةِ»

„Es gibt eine Ausnahme von unserer Regel, die durch die frühen muslimischen Araber repräsentiert wird… Wahrlich, der historische Zyklus der frühen arabischen Muslime stellt eine vollkommen außergewöhnliche Rolle dar, und die Geschichte des Islams ist ein absoluter Sonderfall, der die allgemeinen Resultate unserer Forschungen keineswegs entkräftet.“ [54]

Der französische Orientalist Jacques C. Risler (جَاك رِيسْلَر) vertieft diesen Punkt in seinem Werk „La Civilisation Arabe“ (الحضارة العربية) [54]. Er stellt fest, dass das Römische und das Griechische Reich jahrhundertelang Syrien, Palästina und Ägypten beherrschten, es jedoch niemals schafften, dass die einheimische Bevölkerung Griechisch oder Latein sprach [54]. Doch als die Muslime eintrafen, nahmen die Völker innerhalb kürzester Zeit die arabische Sprache an [54]. Risler führt dies darauf zurück, dass der Islam nicht als brutaler Unterdrücker auftrat, sondern als „Opferer und Befreier“ (الفاتح - Al-Fatih), dessen Sprache die Trägerin einer erhabenen Zivilisation war [54]:

«يَظْهَرُ التَّارِيخُ أَنَّ الشُّعُوبَ الْمَغْزُوَّةَ تَتَبَنَّى نِظَامًا سِيَاسِيًّا جَدِيدًا بِسُهُولَةٍ أَكْثَرَ مِمَّا تُبَدِّلُ لُغَتَهَا وَلِسَانَهَا… وَلَقَدْ بَرْهَنَ عَلَى ذَلِكَ مَرَّةً أُخْرَى فَشَلُ الْيُونَانِ وَالرُّومَانِ فِي الْمَشْرِقِ. فَمَاذَا يُمْكِنُ أَنْ تَكُونَ بَعْدَ الْآنِ لُغَةُ الشُّعُوبِ الْخَاضِعَةِ لِلْإِسْلَامِ؟ لَا يُمْكِنُهَا إِلَّا أَنْ تَكُونَ اللُّغَةُ الْعَرَبِيَّةُ الْمُمَيَّزَةُ بِكَوْنِهَا لُغَةَ الْفَاتِحِ لَا الْغَالِبِ»

„Die Geschichte zeigt uns unmissverständlich, dass unterworfenen Völker weitaus schneller ein neues politisches System akzeptieren, als dass sie ihre angestammte Sprache ablegen… Der absolute Misserfolg der Griechen und Römer im Orient hat diese Wahrheit eindringlich bewiesen. Was also konnte von da an die Sprache jener Völker sein, die sich dem Islam unterwarfen? Es konnte nichts anderes sein als die edle arabische Sprache, die sich dadurch auszeichnete, dass sie die Sprache des erhabenen Befreiers [Al-Fatih] war, und nicht die Sprache eines tyrannischen Beherrschers [Al-Ghalib]!“ [54]

III. Das historische Wunder des christlichen Freispruchs (التَّسَامُحُ الْمُطْلَقُ)

Die historischen Quellen belegen, dass die Ausbreitung des islamischen Staates in beispielloser Toleranz verlief [54]. Der renommierte britische Orientalist Sir Thomas W. Arnold (تُومَاس أَرْنُولْد) schreibt in seinem unangefochtenen Standardwerk „The Preaching of Islam“ (الدعوة إلى الإسلام) [54]:

«مِنْ هَذِهِ الْأَمْثِلَةِ الَّتِي قَدَّمْنَاهَا أَنْفًا عَنِ التَّسَامُحِ الَّذِي بَسَطَهُ الْمُسْلِمُونَ الظَّافِرُونَ عَلَى الْعَرَبِ الْمَسِيحِيِّينَ فِي الْقَرْنِ الْأَوَّلِ مِنَ الْهِجْرَةِ وَاسْتَمَرَّ فِي الْأَجْيَالِ الْمُتَعَاقِبَةِ، نَسْتَطِيعُ أَنْ نَسْتَخْلِصَ بِحَقٍّ أَنَّ هَذِهِ الْقَبَائِلَ الْمَسِيحِيَّةَ الَّتِي اعْتَنَقَتِ الْإِسْلَامَ إِنَّمَا فَعَلَتْ ذَلِكَ عَنْ اخْتِيَارٍ وَإِرَادَةٍ حُرَّةٍ، وَأَنَّ الْعَرَبَ الْمَسِيحِيِّينَ الَّذِينَ يَعِيشُونَ فِي وَقْتِنَا هَذَا بَيْنَ جَمَاعَاتٍ مُسْلِمَةٍ لَشَاهِدٌ عَلَى هَذَا التَّسَامُحِ»

„Aus diesen Beispielen, die wir zuvor dargelegt haben über jene erhabene Toleranz, die die siegreichen Muslime den christlichen Arabern im ersten Jahrhundert nach der Hidschra entgegenbrachten und die sich über alle folgenden Generationen hinweg fortsetzte, können wir mit absolutem Recht folgern: Jene christlichen Stämme, die den Islam annahmen, taten dies aus eigener, freier Entscheidung und unbeeinflusstem Willen. Und die Tatsache, dass bis zum heutigen Tage christliche Araber in Frieden inmitten großer muslimischer Gemeinschaften leben, ist der lebendige, unumstößliche Beweis für diese Toleranz!“ [54]

Der amerikanische Historiker Norman Cantor (نُورْمَن كَانْتُور) fügt in seinen Schriften hinzu [54]:

«فَالْحَقِيقَةُ أَنَّ الْمُسْلِمِينَ تَسَامَحُوا مَعَ مَنْ قَهَرُوهُمْ مِنَ الْمَسِيحِيِّينَ وَالْيَهُودِ وَلَمْ يَفْرِضُوا سِوَى ضَرِيبَةِ الْجِزْيَةِ وَبَعْضِ الْقُيُودِ عَلَى الْحُقُوقِ السِّيَاسِيَّةِ لِأُولَئِكَ الَّذِينَ لَمْ يَعْتَرِفُوا بِأَنَّ مُحَمَّدًا نَبِيُّ اللَّهِ، وَهَكَذَا لَمْ يُحَاوِلِ الْمُسْلِمُونَ إِجْبَارَ رَعَايَاهُمْ عَلَى اعْتِنَاقِ الْإِسْلَامِ»

„Die historische Wahrheit ist, dass die Muslime eine unermessliche Toleranz gegenüber den von ihnen besiegten Christen und Juden walten ließen. Sie erlegten ihnen nichts auf außer der Entrichtung der Jizyah-Schutzsteuer und einige funktionale Einschränkungen der politischen Ämter… Und somit haben die Muslime zu keinem Zeitpunkt versucht, ihre Untertanen zur Annahme des Islams zu zwingen.“ [54]

IV. Vom besiegten Feind zum heroischen Feldherrn: Der biologische Schmelztiegel

Wenn der westliche Kolonialismus ein Land besetzt, rekrutiert er die einheimische Bevölkerung nur unter brutalem Zwang und degradiert sie zu minderwertigem „Kanonenfutter“ für seine imperialen Kriege [54]. Die Briten trieben Hunderttausende Inder und Ägypter in den Tod des Ersten Weltkriegs; die Franzosen zwangen die Völker Westafrikas an ihre europäischen Fronten [54]. Keiner dieser Kolonisierten durfte je in die oberste Führungsebene der Armee aufsteigen [54].

Im Islam jedoch geschah das genaue Gegenteil [54]: Die ehemals besiegten Völker nahmen den Glauben aus tiefster Überzeugung an und wurden innerhalb von nur einer Generation zu den glanzvollen Feldherren und Herrschern des Reiches [54]! Das vollendete Beispiel hierfür ist der unsterbliche Tariq ibn Ziyad (طَارِقُ بْنُ زِيَادٍ) [54]. Er stammte aus dem Stamm der nordafrikanischen Berber (الْأَمَازِيغ), die kurz zuvor noch erbittert gegen die Muslime gekämpft hatten [54]. Er wurde zum Oberbefehlshaber jenes Heeres ernannt, das die glorreiche Öffnung von Al-Andalus vollzog [54]. Wo in der westlichen Kolonialgeschichte gibt es einen besetzten Inder, der die britische Armee zur Eroberung Frankreichs anführte? Es gibt ihn nicht [54].

V. Der fliegende Glaube: Die lautlose Eroberung durch Charakter

Es ist ein historisches Phänomen, das jeden materialistischen Historiker in den Wahnsinn treibt: Weit mehr als die Hälfte der gesamten heutigen islamischen Welt wurde niemals von einem einzigen muslimischen Soldaten betreten und sah nie das Aufblitzen eines islamischen Schwertes [54]!

Der gigantische marokkanische und ägyptische Historiker Dr. Hussein Moanes (حُسَيْنُ مُؤْنِسٌ), einer der absoluten Koryphäen der andalusischen Geschichtsschreibung, verfasste hierzu ein epochales Werk unter dem Titel „Der siegreiche/öffnende Islam“ (الإسلام الفاتح) [54]. Er schreibt darin jene ergreifenden Worte [54]:

«أَعَدْتُ النَّظَرَ فِي الْمُصَوَّرِ الْجُغْرَافِيِّ لِلْأَرْضِ لِأَرَى مَا فَتَحْنَا بِجِهَادِنَا وَمَا فَتَحَ الْإِسْلَامُ بِنَفْسِهِ بِالْحِكْمَةِ وَالْمَوْعِظَةِ الْحَسَنَةِ، فَخَشَعَتْ نَفْسِي لِأَنَّنِي وَجَدْتُ أَنَّ الْإِسْلَامَ فَتَحَ بِنَفْسِهِ أَضْعَافَ مَا فَتَحْنَاهُ، وَأَنَّ دَعْوَةَ الْحَقِّ فِي تَارِيخِنَا كَانَتْ أَمْضَى مِنْ كُلِّ سِلَاحٍ… إِنَّ ثُلُثَ هَذِهِ الْمِسَاحَةِ فَحَسْبُ هِيَ الَّتِي فَتَحَتْهَا الدُّوَلُ الْإِسْلَامِيَّةُ وَدَخَلَتْ فِيهَا الْجُيُوشُ، أَمَّا الْبَاقِي فَقَدْ دَخَلَهُ الْإِسْلَامُ وَمَلَأَ قُلُوبَ أَهْلِهِ دُونَ جُهْدٍ مُنَظَّمٍ أَوْ سِيَاسَةٍ مَرْسُومَةٍ»

„Ich blickte noch einmal mit wissenschaftlicher Strenge auf die geografische Weltkarte, um zu vergleichen, was wir Muslime durch unseren bewaffneten Kampf geöffnet hatten und was der Islam ganz von alleine durch Weisheit und die schöne Ermahnung öffnete. Da erbebte meine Seele in tiefer Demut! Denn ich stellte fest, dass der Islam von sich aus ein Vielfaches von dem öffnete, was wir mit unseren Heeren erreichten. Die Botschaft der Wahrheit war in unserer Geschichte schärfer als jede Klinge… Gerade einmal ein Drittel der gesamten heutigen islamischen Landmasse wurde durch die Armeen geöffnet. Die restlichen zwei Drittel wurden vom Islam lautlos erobert; er füllte die Herzen der Menschen allein durch den edlen Charakter der Händler und Gesandten, ohne organisierten Staatsapparat oder imperiale Feldzugspläne!“ [54]


3. Die unüberbrückbare Kluft: Zivilisatorische Zentren vs. koloniales Aussaugen

Wenn du den echten Unterschied zwischen dem zivilisatorischen Segen des Islams und der imperialistischen Gier des Westens begreifen willst, musst du nur die Landkarte der urbanen Entwicklung betrachten [54].

Der westliche Kolonialismus funktioniert nach dem Prinzip des parasitären Saughebers [54]: Er dringt in Ägypten, Indien, den Kongo oder Algerien ein, raubt das Gold, das Öl, die Baumwolle und die Diamanten und transportiert diese unermesslichen Reichtümer in die imperiale Metropole des Mutterlandes [54]. Dadurch blähen sich die Kolonialhauptstädte – London, Paris, Brüssel, Washington und New York – in astronomischem Prunk auf, während die besetzten Länder in bitterer Armut und zivilisatorischer Dunkelheit zurückbleiben [54]. Du wirst in der gesamten Geschichte des britischen Empires niemals eine besetzte Stadt in Indien finden, die schöner, reicher oder entwickelter war als London [54]. Niemals durfte eine afrikanische Kolonie Paris an Glanz übertreffen [54].

Der Islam jedoch tat das genaue Gegenteil [54]: Er saugte die geöffneten Länder nicht aus, um Mekka oder Medina zu bereichern [54]! Er ließ den Reichtum in den Regionen und baute die glanzvollsten, unabhängigsten und reichsten Weltmetropolen der Wissenschaft und Kultur außerhalb der arabischen Halbinsel auf [54]!

Lass uns diese weltberühmten Zentren des islamischen Geistes betrachten, die allesamt außerhalb der arabischen Heimat entstanden [54]:

Jede dieser Städte war zu ihrer Zeit das unbestrittene Zentrum der Weltmedizin, der Astronomie, der Rechtswissenschaft und der Philosophie, während die westlichen Hauptstädte noch im finsteren, schlammigen Mittelalter versunken waren [54]. Der Reichtum der Provinzen wurde vor Ort investiert, um Universitäten, Krankenhäuser, Bibliotheken und hochentwickelte Bewässerungssysteme zu errichten [54]. Dies ist der leuchtende Beweis dafür, dass der Islam kam, um das Leben zu veredeln, und nicht, um die Erde auszubeuten [54].


4. Die logische und soziale Glanzleistung der Jizyah (الْجِزْيَة)

Die Jizyah-Schutzsteuer ist der absolute Lieblingsangriffspunkt aller zeitgenössischen Islamfeinde und christlichen Missionare [54]. Mit Schaum vor dem Mund behaupten sie, sie sei eine „Sklavensteuer“, eine grausame „Demütigung der Andersgläubigen“ und das ultimative Instrument der Erpressung [54].

Zerschmettere diese Vorwürfe mit eiserner Logik und geschichtlichen Primärquellen! [54]

I. Das logische Paradoxon der Ankläger

Wenn die Ankläger behaupten, die Muslime hätten den Völkern den Islam mit dem Schwert aufgezwungen, dann ist die bloße Existenz der Jizyah (الْجِزْيَة) die absolute, vernichtendste Widerlegung ihrer eigenen Behauptung [54]!

Wenn ein Eroberer dir die Pistole auf die Brust setzt und brüllt: „Tritt meiner Religion bei, oder ich schlage dir den Kopf ab!“ – warum in aller Welt sollte er dir dann eine vertraglich gesicherte Option anbieten, bei deinem alten Glauben zu verbleiben, deine Kirchen und Synagogen unbeschadet weiterzuführen und lediglich eine kleine jährliche Steuer zu entrichten? [54]. Wenn der Islam durch das Schwert verbreitet worden wäre, gäbe es keine Jizyah [54]! Die Existenz der Jizyah ist das ewige, unumstößliche Dokument für die absolute Religionsfreiheit im islamischen Staat [54].

II. Die Befreiung vom Wehrdienst: Eine revolutionäre Gnade

Was ist die Jizyah wirklich? Sie ist nichts anderes als eine Schutz- und Wehrersatzsteuer (ضَرِيبَةُ حِمَايَةٍ وَإِعْفَاءٍ عَسْكَرِيٍّ) [54].

Im islamischen Staat ist der muslimische Bürger zwei extremen Belastungen unterworfen [54]:

  1. Er muss die Zakat (الزكاة) entrichten, die eine feste prozentuale Abgabe auf sein gesamtes Vermögen ist (2,5 %) und auch von Waisen und Witwen gezahlt werden muss, sofern sie den Freibetrag (Nisab) besitzen [54].
  2. Er ist im Ernstfall gesetzlich dazu verpflichtet, sein Leben auf dem Schlachtfeld im Dschihad zu opfern, um den Staat zu verteidigen [54].

Der nicht-muslimische Bürger (Dhimmi) hingegen kann aus theologischen Gründen nicht gezwungen werden, in einem Heer zu kämpfen, das für religiöse Ziele antritt, an die er selbst nicht glaubt [54]. Es wäre die absolute Heuchelei und eine unerträgliche psychologische Qual [54]. Was tat der islamische Staat? Er befreite die Nichtmuslime komplett vom Militärdienst [54]! Im Gegenzug zahlten sie eine geringe, feste jährliche Gebühr – die Jizyah (meist nur ein oder zwei Gold-Dinar im Jahr, was weitaus weniger war als die Zakat) – und der islamische Staat übernahm die absolute Pflicht, ihr Leben, ihr Eigentum und ihre Ehre mit dem Blut muslimischer Soldaten zu verteidigen [54].

Dr. Mohamed Elhamy hält den Kritikern der Moderne hierbei einen scharfen Spiegel vor [54]:

„Ich wünschte mir, in unserer heutigen Welt, in der die Staaten ihre Bürger durch die Wehrpflicht brutal an die Fronten zwingen, gäbe es für jeden Menschen, der den Krieg seiner Regierung aus tiefster Seele ablehnt, die Option, eine geringe Gebühr [Jizyah] zu entrichten, um sicher und geschützt in seinem Hause bei seiner Familie bleiben zu dürfen, während die Armee ihn verteidigt!“ [54]

Die Jizyah war zudem an extrem strenge, humane Bedingungen geknüpft [54]. Sie durfte unter keinen Umständen erhoben werden von [54]:

III. Das erste soziale Rentensystem der Weltgeschichte

Wenn ein nicht-muslimischer Bürger, der jahrelang die Jizyah entrichtet hatte, im Alter verarmte oder arbeitsunfähig wurde, entließ der islamische Staat ihn nicht nur aus der Steuerpflicht – er zahlte ihm eine lebenslange staatliche Rente aus der muslimischen Staatskasse (بَيْتُ مَالِ الْمُسْلِمِينَ) [54]!

Als der Kalif Umar ibn al-Khattab (عُمَرُ بْنُ الْخَطَّابِ) auf den Straßen von Medina einen alten jüdischen Bürger sah, der im Alter betteln musste, um seine Jizyah zu bezahlen, brach Umar in Tränen aus [54]. Er nahm den alten Mann bei der Hand, führte ihn in sein Haus, speiste ihn, gab ihm reichlich Silber und schrieb einen unbarmherzigen Brief an den Schatzmeister des Bayt al-Mal [54]:

«وَاللَّهِ مَا أَنْصَفْنَاهُ أَنْ أَكَلْنَا شَبِيبَتَهُ ثُمَّ خَذَلْنَاهُ عِنْدَ الْهَرَمِ!»

„Bei Allah! Wir haben nicht gerecht an ihm gehandelt, wenn wir seine kraftvolle Jugend [durch Steuern] verzehrt haben, um ihn dann im hinfälligen Alter elendig im Stich zu lassen!“ [54]

Umar erließ ein Dekret, das die Jizyah für diesen Mann und alle seine Altersgenossen im gesamten Reich für immer aufhob und ihnen stattdessen eine regelmäßige staatliche Pension auszahlte [54]. Dies war die Geburtsstunde des staatlichen Sozialversicherungssystems – errichtet von einem islamischen Kalifen für einen jüdischen Bürger [54]!

IV. Die unerreichte Ethik von Abu Ubaidah in Homs

Als das gewaltige oströmische Heer unter Kaiser Heraclius zur alles entscheidenden Schlacht von Yarmouk mobilisierte, erkannte der muslimische Feldherr Abu Ubaidah ibn al-Jarrah (أَبُو عُبَيْدَةَ بْنُ الْجَرَّاحِ), dass seine Truppen sich aus den syrischen Städten wie Homs (حُمُص) zurückziehen mussten, um sich zu sammeln [54]. Er war nicht mehr in der Lage, die christliche Bevölkerung von Homs vor den herannahenden Byzantinern zu schützen [54].

Was tat dieser edle Gefährte? Er berief die christlichen Führer der Stadt ein und gab ihnen jeden einzelnen Cent der eingenommenen Jizyah-Steuer im vollen Umfang zurück [54]! Er sprach zu ihnen: „Wir haben dieses Geld von euch genommen, um euch zu verteidigen. Da wir nun dazu nicht mehr in der Lage sind, ist es uns verboten, euer Geld einzubehalten. Hier habt ihr euren Besitz zurück!“ [54].

Die christlichen Bürger von Homs brachen in lautes Weinen aus, drückten das Geld an sich und riefen voller Emotionen [54]:

„Bei Gott! Eure Gerechtigkeit und eure Herrschaft sind uns unendlich lieber als die Herrschaft der Römer, obwohl sie denselben Glauben teilen wie wir! Möge Gott euch siegreich zu uns zurückbringen und uns vor dem Terror des Kaisers bewahren!“ [54]

Sie stiegen auf die Mauern der Stadt und beteten im Chor für den Sieg der muslimischen Heere über ihre eigenen christlichen Glaubensbrüder [54]! Wo in der gesamten Menschheitsgeschichte hat ein kolonialer Besatzer je die Steuern an die Bevölkerung zurückgezahlt, weil er sich zurückziehen musste? [54].

V. Der flammende Brief des Umar ibn Abdul Aziz

Als die Menschen unter der gerechten Herrschaft des Kalifen Umar ibn Abdul Aziz (عُمَرُ بْنُ عَبْدِ الْعَزِيزِ) in gewaltigen Scharen den Islam annahmen, schrieb ein besorgter Steuereintreiber einen Brief nach Damaskus [54]: „O Führer der Gläubigen! Die Steuereinnahmen des Staates brechen ein, weil fast alle Christen den Islam annehmen und keine Jizyah mehr zahlen. Wir haben ein massives Defizit in der Staatskasse! Wenn du erlaubst, sollten wir die Jizyah auch weiterhin von jenen verlangen, die erst vor kurzem den Islam angenommen haben.“ [54].

Der Kalif geriet in heiligen Zorn und schickte ihm eine Antwort, die wie ein Donnerschlag in die Geschichte einging [54]:

«إِنَّ اللَّهَ بَعَثَ مُحَمَّدًا هَادِيًا وَلَمْ يَبْعَثْهُ جَابِيًا!»

„Wahrlich, Allah hat Muhammad als einen Rechtleitenden [Hadi] gesandt, und Er hat ihn nicht als einen Steuereintreiber [Dschabi] gesandt!“ [54]

Umar entließ den Beamten augenblicklich und wies ihn an, die Steuern sofort aufzuheben [54]. Das Ziel des Islams war die Rechtleitung der Seelen, nicht das Füllen der Staatskasse [54].


5. Das historische Justizwunder von Samarkand (سَمَرْقَنْدُ)

Es ist die wohl unglaublichste Gerichtsverhandlung der gesamten Weltgeschichte, dokumentiert in den unbestechlichen Chroniken der islamischen Justiz [54].

Als der umayyadische Feldherr Qutaybah ibn Muslim (قُتَيْبَةُ بْنُ مُسْلِمٍ) mit seinen unbesiegbaren Truppen vor den Toren der zentralasiatischen Metropole Samarkand (سَمَرْقَنْدُ) eintraf, beging er einen schwerwiegenden Fehler [54]: Er war so ungeduldig, dass er die Stadt im Handstreich überrumpelte und einnahm, ohne der Bevölkerung – wie es das unerbittliche Gesetz der Scharia vorschreibt – das dreitägige Ultimatum zu stellen, um sich zwischen der Annahme des Islams, der Jizyah oder dem Kampf zu entscheiden [54].

Die Priester von Samarkand waren fassungslos über diesen Bruch des Gesetzes [54]. Sie hörten im fernen Osten Gerüchte darüber, dass in Damaskus ein Kalif namens Umar ibn Abdul Aziz regierte, der selbst den kleinsten Funken Ungerechtigkeit unbarmherzig bestrafte [54]. Sie schickten einen Abgesandten auf die monatelange Reise nach Syrien [54]. Der Gesandte trat vor den Kalifen Umar, der in einem einfachen Lehmhaus saß, und klagte ihm den Bruch des Kriegsrechts durch den mächtigsten General des Reiches [54].

Umar ibn Abdul Aziz zögerte keine Sekunde [54]. Er nahm ein kleines Stück Papier und schrieb dem Richter in Samarkand, Sulaiman ibn Abu al-Sarih (سُلَيْمَانُ بْنُ أَبِي السَّرْحِ), einen präzisen Befehl: „Setze unverzüglich ein Gericht an. Höre die Klage der Priester von Samarkand an. Und wenn der Feldherr das Gesetz gebrochen hat, so richte nach dem Gesetz Allahs!“ [54].

Der Richter eröffnete den Prozess mitten im besetzten Samarkand [54]! Auf der einen Seite saßen die heidnischen Priester, auf der anderen Seite stand der Stellvertreter des unbesiegbaren Generals [54]. Nach einer kurzen Beweisaufnahme sprach der muslimische Richter Sulaiman jene Worte, die bis heute jeden Historiker vor Ehrfurcht erzittern lassen [54]:

„Da der General den Befehl des Gesandten Allahs ﷺ missachtet und die Stadt ohne Vorwarnung überrumpelt hat, ist dieser Einzug illegal! Ich verurteile den islamischen Staat zur sofortigen Räumung der Stadt Samarkand! Das gesamte muslimische Heer hat die Stadt unverzüglich zu verlassen, alle Besitztümer zurückzugeben und hinter die Grenzen zurückzuweichen. Erst wenn die Armee uns das offizielle dreitägige Ultimatum gestellt hat, darf sie sich uns erneut nähern!“ [54]

Der Abgesandte und die Priester von Samarkand blickten sich mit aufgerissenen Augen an [54]. Sie dachten, sie seien im falschen Film [54]. Doch am nächsten Morgen sahen sie mit eigenen Augen, wie das gewaltige, hochgerüstete muslimische Heer ohne ein Wort des Murrens seine Zelte abbrach, die Waffen packte und die Stadt Samarkand komplett evakuierte, nur weil ein einfacher Richter auf einem kleinen Zettel Papier dies im Namen der Gerechtigkeit Allahs befohlen hatte [54]!

Als die Bevölkerung von Samarkand Zeuge dieses absoluten Justizwunders wurde, liefen sie dem abziehenden Heer hinterher, hielten die Soldaten auf und traten noch am selben Tag geschlossen und freiwillig zum Islam über [54]! Sie begriffen, dass diese Eroberer keine brutalen Besatzer waren, sondern die Boten einer überirdischen, göttlichen Gerechtigkeit [54].


6. Die administrative Entlassung von Khalid ibn al-Walid: Realpolitik statt Hass

Zum Abschluss dieses Kapitels müssen wir mit einem weithin verbreiteten historischen Mythos aufräumen, der bis heute in den Köpfen vieler Muslime herumspukt und von orientalistischen Spaltern genüsslich befeuert wird [54, 57]: der plötzliche Entzug des Oberbefehls von Khalid ibn al-Walid (خَالِدُ بْنُ الْوَلِيدِ) durch den Kalifen Umar ibn al-Khattab (عُمَرُ بْنُ الْخَطَّابِ) [54, 57].

Skeptiker und oberflächliche Historiker versuchen, diese Tat als einen Akt des persönlichen Hasses, des Neides oder einer alten Stammesfehde (Thar / ثَأْر) zwischen Umar und Khalid darzustellen [57]. Sie behaupten, Umar habe Khalid dessen militärischen Ruhm nicht gegönnt und ihn aus persönlicher Rachsucht gedemütigt [57].

Weise diese infamen Unterstellungen mit dem tiefen Verständnis der islamischen Staatskunst zurück! [61, 62]

Dr. Mohamed Elhamy legt meisterhaft dar, dass diese Entlassung nichts mit persönlicher Feindschaft zu tun hatte, sondern der Zusammenprall zweier völlig unterschiedlicher, hochlegitimer Schulen der Staatsverwaltung (مَدَارِسُ الْإِدَارَةِ) war [58, 61]:

I. Die Schule des Abu Bakr: Die absolute Delegation (مَدْرَسَةُ التَّفْوِيضِ)

Abu Bakr as-Siddiq regierte nach dem Prinzip der Dezentralisierung und der maximalen Delegation von Autorität [58]. Er vertraute seinen Generälen und Gouverneuren blind [58]. Er gab ihnen ein Ziel und ließ ihnen bei den Methoden, der Budgetplanung und den strategischen Entscheidungen vor Ort absolute, uneingeschränkte Handlungsfreiheit [58]. Khalid ibn al-Walid, der ein militärisches Genie von unbändiger Unabhängigkeit, Kreativität und blitzschneller Initiative war, passte perfekt in diese Schule [58]. Wenn Khalid entschied, im Eiltempo die Hira (الْحِيرَة) in nur 40 Tagen zu öffnen, segnete Abu Bakr dies ab [58]. Als Umar ihn drängte, Khalid wegen seiner eigenmächtigen Entscheidungen zu entlassen, sprach Abu Bakr jene berühmten Worte [58]:

„Niemals werde ich ein Schwert in die Scheide stecken, das Allah selbst gegen die Ungläubigen gezogen hat!“ [58]

II. Die Schule des Umar: Die totale Kontrolle und Rechenschaftspflicht (مَدْرَسَةُ الرَّقَابَةِ الدَّقِيقَةِ)

Umar ibn al-Khattab hingegen war der Begründer des zentralisierten, streng organisierten Institutionsstaates [58, 85]. Er glaubte an die absolute, lückenlose Rechenschaftspflicht jedes einzelnen Beamten gegenüber der Zentrale in Medina [58, 61]. Für Umar durfte kein Gouverneur und kein General – und sei er noch so genial – eigenmächtige Entscheidungen über Staatsfinanzen oder geostrategische Bündnisse treffen, ohne zuvor die schriftliche Erlaubnis des Kalifen einzuholen [58, 60]. Khalids unabhängiger, herrschaftlicher Charakter kollidierte unweigerlich mit dieser eiserner Struktur [58, 61].

III. Die beiden wahren Gründe für Khalids Entlassung

Umar hatte für seine Entscheidung zwei tiefgehende, staatspolitische und theologische Motive [58, 59]:

  1. Die Bewahrung der reinen Glaubenslehre vor dem Personenkult (فِتْنَةُ الشَّخْصِيَّةِ): Khalid ibn al-Walid war das unbesiegte Schwert Allahs [58, 59]. Er bestritt über einhundert Schlachten und verlor nicht ein einziges Mal [59]. Unter den einfachen Soldaten und im Volk begann sich ein gefährlicher psychologischer Komplex auszubreiten [59]: Die Menschen glaubten, dass der Sieg an das bloße Erscheinen Khalids auf dem Schlachtfeld gekoppelt sei [59]. Sie sagten: „Wenn Khalid im Heer ist, gewinnen wir unweigerlich; wenn er fehlt, werden wir besiegt!“ [59]. Umar, der Hüter des reinen Monotheismus (Tawheed), sah darin eine existenzielle Bedrohung für das spirituelle Fundament der Muslime [59]. Er wollte der Ummah beweisen, dass der Sieg einzig und allein von Allah kommt, und nicht aus der Klinge Khalids [59]. Umar schrieb in seiner offiziellen Begründung an das Reich [61]:

    «إِنِّي لَمْ أَعْزِلْ خَالِدًا عَنْ سَخَطٍ وَلَا خِيَانَةٍ، وَلَكِنَّ النَّاسَ فُتِنُوا بِهِ، فَخِشْتُ أَنْ يَتَّكِلُوا عَلَيْهِ وَيُبْتَلَوْا، فَأَرَدْتُ أَنْ يَعْلَمُوا أَنَّ اللَّهَ هُوَ الصَّانِعُ»

    „Wahrlich, ich habe Khalid weder aus Zorn noch wegen eines Verrats entlassen. Sondern ich sah, dass die Menschen durch ihn betört wurden. Und ich fürchtete, dass sie sich vollkommen auf ihn verlassen und dadurch in eine schwere Prüfung geraten. Ich wollte, dass sie mit absoluter Gewissheit wissen, dass Allah allein der Schöpfer des Sieges ist!“ [59, 61]

  2. Die finanzielle Disziplin: Khalid hatte einem einflussreichen Dichter, der ihn lobte, die astronomische Summe von 10.000 Silber-Dirham aus der Beute zukommen lassen [60]. Dies war ein genialer strategischer Schachzug der Stammesdiplomatie [60]. Doch für Umar war es ein eklatanter Bruch der staatlichen Haushaltsordnung [60]. Er verlangte, dass jeder Dirham der Beute ordnungsgemäß im Bayt al-Mal verbucht und an die Witwen und Waisen verteilt wird, anstatt für persönliche Allianzen ausgegeben zu werden [60]. Als Khalid sich weigerte, seine Ausgaben nachträglich vom Kalifen absegnen zu lassen, entzog Umar ihm konsequent das Amt [60].

IV. Die Lektion der Realität: Zwei Giganten auf Augenhöhe

Diese Entlassung lehrt uns die unschätzbare Realitätsnähe der Gefährten-Generation [62]. Sie waren keine Roboter oder weichgezeichnete Engel [62]. Sie waren reale, hochcharaktervolle Menschen mit unterschiedlichen Temperamenten, Führungsstilen und administrativen Visionen [61, 62]. Zwei aufrichtige, gottesfürchtige Männer können im Staatsdienst völlig unterschiedlicher Meinung sein und unfähig sein, im selben Team zu arbeiten – ohne dass auch nur der geringste persönliche Hass im Spiel ist [61, 62].

Der Prophet ﷺ war der Einzige, der die absolute Vollkommenheit und Balance besaß, um all diese unterschiedlichen Charaktere perfekt in einem System zu vereinen [62, 63]. Als Khalid einst beim Stamm der Banu Jadzimah einen schweren militärischen Fehler beging, erhob der Prophet ﷺ seine Hände zum Himmel und rief: „O Allah! Ich spreche mich vor Dir von dem frei, was Khalid getan hat!“ [63]. Doch er entließ ihn nicht [63]. Nach dem Ableben des Propheten traten diese feinen charakterlichen Unterschiede zwischen Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali offen zutage, was uns heute als unendlich reiche Schule für die Verwaltung unseres eigenen Lebens dient [63].


Gegründet auf den historischen Analysen von Dr. Mohamed Elhamy in Episode 17. [54]

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