Visual HistoryChronik des islamischen Imperiums

Warum griff der barmherzige Prophet ﷺ zu den Waffen?

Dr. Muhammad Elhamy

Das Recht der Stärke: Warum der Prophet der Barmherzigkeit zum Schwert greifen musste

Eine lückenlose völkerrechtliche, geostrategische und moralische Analyse der prophetischen Kriegsführung auf Basis der Analysen von Dr. Mohamed Elhamy [58]


1. Die Illusion des friedlichen Vakuums: Das Gesetz der Realpolitik

Wenn du dich als selbstbewusster Muslim mit dem westlich-liberalen Vorwurf konfrontierst, der Islam sei „durch das Schwert verbreitet worden“, musst du zuerst eine fundamentale, unerbittliche Wahrheit über die menschliche Natur, das Wesen der Macht und die weltweite Geopolitik akzeptieren [58]:

Die Menschheit beugt sich dem Recht nicht rein deshalb, weil es wahr ist. [58]

Die menschliche Geschichte wurde niemals in zahmen, akademischen Debattierclubs gelenkt, sondern sie wird seit Jahrtausenden von Trieben, Gier, Nationalismus und dem unbändigen Willen zur Macht beherrscht [58]. Eine reine, wehrlose Idee des Guten, die sich weigert, sich mit schützender Stärke und abschreckenden Waffen auszurüsten, wird in dieser materiellen Welt von den Raubtieren der Herrschaft im Handumdrehen zerrissen und ausgelöscht [58].

Der weltberühmte ägyptische Universaljurist und Vater des modernen arabischen Zivilrechts, Abd al-Razzaq al-Sanhuri (عَبْدُ الرَّزَّاقِ السَّنْهُورِيُّ), fasste dieses unumstößliche Gesetz der Realpolitik in einem eisernen Satz zusammen, den jeder Staatsmann verinnerlichen muss [58]:

„Das Gesetz herrscht nur zwischen zwei Gleichstarken oder zwei Schwachen. Doch zwischen einem Starken und einem Schwachen gibt es kein Gesetz. Da ist die Stärke das Gesetz!“ [58]

Wir brauchen nur mit offenen Augen auf die blutigen Tragödien unserer heutigen Zeit zu blicken, um diese bittere Realität zu begreifen [58]. Palästina (فَلَسْطِينُ) hat jedes völkerrechtliche Dokument, jede UN-Resolution, jede historische Besitzurkunde und das absolute moralische Recht auf seiner Seite [58]. Doch was nützt den wehrlosen Menschen dieses Recht vor den Panzern, Kampfjets und Bomben ihrer Unterdrücker [58]? Absolut nichts [58]!

Der Gründer der PLO, Ahmed al-Shuqayri (أَحْمَد الشُّقَيْرِيُّ) – ein brillanter Anwalt, der sein gesamtes Leben im diplomatischen Dienst der Arabischen Liga und der UNO verbrachte –, leistete Gigantisches [58]. Er durchsuchte jahrzehntelang die osmanischen Archive, um die Grundbücher palästinensischer Familien staubfrei zu dokumentieren, Prozesse vor internationalen Gerichten zu gewinnen und den juristischen Anspruch der Palästinenser unanfechtbar zu beweisen [58]. Am Ende seines Lebens schrieb er resigniert in seinen Memoiren jene prophetische Warnung nieder, die wie eine Warnung für jeden Schwachen klingt [58]:

„Wir haben vierzig Jahre lang gelernt, dass unser Recht nicht aus den Gesetzbüchern oder Archiven entspringt, sondern einzig und allein aus der Mündung der Gewehre. Jedes Dokument, das wir mühsam juristisch erstritten hatten, wurde von den Panzern der zionistischen Besatzer einfach zermalmt.“ [58]

Der große tunesische Dichter Abu al-Qasim al-Shabbi (أَبُو الْقَاسِمِ الشَّابِّيُّ) goss diese Natur der menschlichen Zivilisation in unsterbliche, aufrüttelnde Verse, die Dr. Elhamy zitiert [58]:

لَا رَأْيَ لِلْحَقِّ الضَّعِيفِ وَلَا صَدَى ۝ وَالرَّأْيُ رَأْيُ الْقَاهِرِ الْغَلَّابِ لَا عَدْلَ إِلَّا إِنْ تَعَادَلَتِ الْقُوَى ۝ وَتَصَادَمَ الْإِرْهَابُ بِالْإِرْهَابِ

Keine Meinung hat das schwache Recht, kein Echo verbleibt ihm, denn die Meinung gehört einzig dem Bezwinger, dem Sieger. Es gibt keine Gerechtigkeit auf Erden, es sei denn, die Kräfte sind gleichwertig, und Terror kollidiert mit Terror. [58]


2. Die eiserne Unterscheidung: Der Glaube und der Staat

Um das historische Phänomen des Islams auf absolut wissenschaftlichem Niveau zu verteidigen, musst du eine messerscharfe, unmissverständliche Trennung vornehmen, die viele Historiker bewusst vermischen [58]:

I. Der islamische Glaube (الدِّينُ)

Der Glaube wurde niemals durch das Schwert erzwungen [58]. Allah verbietet den Glaubenszwang im Koran kategorisch und ohne jede Einschränkung:

«لَا إِكْرَاهَ فِي الدِّينِ ۖ قَد تَّبَيَّنَ الرُّشْدُ مِنَ الْغَيِّ»

„Es gibt keinen Zwang im Glauben! Gewiss, der rechte Weg ist nun klar unterschieden vom Irrweg.“ (Sure Al-Baqarah: 256) [58]

Die Christen, Juden, Zoroastrier und Hindus unter islamischer Herrschaft wurden niemals gezwungen, Muslime zu werden [58]. Sie behielten ihre Kirchen, Klöster, Tempel und Synagogen, genossen vollen Schutz für ihr Leben und ihr Eigentum und zahlten lediglich die Jizyah (جِزْيَة) [58]. Die Jizyah war eine geringe Wehrersatzsteuer, die sie im Gegenzug vom gefährlichen Militärdienst befreite und ihnen die eiserne Pflicht des Staates sicherte, sie vor jedem äußeren Feind zu schützen [58].

II. Der islamische Staat (الدَّوْلَةُ)

Der Staat expandierte sehr wohl mit dem Schwert – exakt wie jedes andere Imperium in der gesamten Menschheitsgeschichte [58]. Keine einzige Weltmacht der Erde entstand durch das Verteilen von Rosen [58].

Wer den islamischen Staat für seine Expansion kritisiert, aber gleichzeitig die Römische Republik, das Oströmische Reich, das Britische Empire oder das heutige amerikanische Hegemonialreich als „Zivilisationen“ feiert, offenbart eine erbärmliche, rassistische Doppelmoral [58]. Jedes Reich expandiert, um seine Grenzen zu sichern und seine Werteordnung zu etablieren [58].


3. Die historische Notwendigkeit: Warum der Krieg dem Propheten aufgezwungen wurde

Der Prophet Muhammad ﷺ verbrachte dreizehn Jahre im heidnischen Mekka in absoluter, bedingungsloser Gewaltlosigkeit [58]. Er und seine Gefährten predigten das Gute, während sie systematisch gefoltert, ausgehungert, gedemütigt, wirtschaftlich boykottiert und schließlich aus ihrer geliebten Heimat vertrieben wurden [58]. Ihre Häuser, Ländereien und Besitztümer wurden von den Quraisch beschlagnahmt und als Kriegsbeute verkauft [58].

Als er im fernen Medina Zuflucht fand und die staatliche Souveränität begründete, schickte die heidnische Elite Mekkas einen unverschämten Erpresserbrief an die Führer von Medina (die Aus und Khazraj) [58]:

„Ihr habt unseren Mann aufgenommen. Entweder liefert ihr ihn uns aus und bekämpft ihn, oder wir schwören feierlich bei Allah: Wir werden mit all unseren Truppen anrücken, eure wehrhaften Männer abschlachten und eure Frauen als Sklavinnen versklaven!“ [58]

Dies war eine offizielle, unmissverständliche Kriegserklärung nach allen Regeln des Völkerrechts [58]! Was hätte der Prophet der Barmherzigkeit ﷺ tun sollen [58]? Die Hände in den Schoß legen, pazifistische Lieder singen und auf das nächste Massaker an seinen schutzlosen Gefährten warten [58]?

Der Krieg wurde den Muslimen von den Tyrannen mit brutaler Gewalt aufgezwungen [58]. Wer in einer von Wölfen dominierten Welt überleben will, muss die Zähne des Löwen zeigen [58].

Jede einzelne militärische Aktion des Propheten ﷺ war die chirurgische Antwort auf eine akute existentielle Bedrohung [58]:

Ein markantes Beispiel für die permanente Kriegslust der Heiden zeigt sich im Fall von Sa’d ibn Ubadah (سَعْدُ بْنُ عُبَادَةَ), dem Führer der Khazraj [58]. Als er kurz vor der Schlacht von Badr als Pilger nach Mekka reiste, stellte sich ihm der heidnische Führer Abu Jahl in den Weg und schrie [58]: „Erdreistest du dich, sicher in Mekka zu kreisen, während ihr den Abtrünnigen Zuflucht gewährt? Wenn du nicht im Schutz von Abu Umayyah stündest, würdest du diese Stadt niemals lebend verlassen!“ [58].

Sa’d blickte ihn unerschrocken an und gab die einzig adäquate Antwort [58]:

«وَاللَّهِ لَئِنْ مَنَعْتَنِي هَذَا لَأَمْنَعَنَّكَ مَا هُوَ أَشَدُّ عَلَيْكَ مِنْهُ: طَرِيقَكَ إِلَى الشَّامِ»

„Bei Allah! Wenn du mich am Besuche des Hauses [der Kaaba] hinderst, so werde ich dich an dem hindern, was für dich weitaus schmerzhafter ist: an deiner Handelsroute nach Syrien!“ [58]


4. Die beispiellose Ethik des prophetischen Schwertes

Obwohl der Prophet ﷺ das Schwert führte, tat er dies mit einer moralischen Erhabenheit, die die Menschheit weder vorher noch nachher je erblickt hat [58]. Er war kein General, der nach Blut dürstete; er war ein Reformer, der die Menschheit heilen wollte [58].

Er leitete in den zehn Mediner Jahren insgesamt 27 Feldzüge (غَزَوَات) [58]. Doch in wie vielen dieser Feldzüge kam es tatsächlich zu echten, blutigen Kampfhandlungen [58]? In gerade einmal neun Schlachten! [58] In allen anderen Fällen siegte der Prophet ﷺ durch überlegene Logistik, präzise Aufklärung und psychologische Abschreckung, um das Blutvergießen auf beiden Seiten im Keim zu ersticken [58].

Die Gesamtzahl aller Todesopfer auf beiden Seiten in allen Schlachten des Propheten ﷺ übersteigt kaum einige hundert Männer [58]. Vergleiche dieses chirurgisch präzise Vorgehen mit den modernen Weltmächten, die im Namen der „Demokratie“ und der „Menschenrechte“ Millionen unschuldiger Zivilisten im Irak, in Vietnam und in Afghanistan grausam niedergemetzelt haben [58]!

Als der Prophet ﷺ als triumphierender Eroberer mit 10.000 Schwertern in seine Heimatstadt Mekka einzog – bei jenen Menschen, die ihn gefoltert, vertrieben und seine Familie getötet hatten –, hätte er das Recht auf Rache besessen [58]. Doch er trat vor sie und sprach [58]:

«مَا تَظُنُّونَ أَنِّي فَاعِلٌ بِكُمْ؟»

„Was meint ihr wohl, was ich heute mit euch tun werde?“ [58]

Sie antworteten beschämt: „Gutes, o edler Bruder und Sohn eines edlen Bruders!“ Da sprach der Prophet der Barmherzigkeit ﷺ jene unsterblichen Worte der Vergebung [58]:

«اذْهَبُوا فَأَنْتُمُ الطُّلَقَاءُ»

„Geht hin, denn ihr seid frei!“ [58]

Als der Feldherr Sa’d ibn Ubadah (سَعْدُ بْنُ عُبَادَةَ) vor dem Einzug voller Zorn rief: „Heute ist der Tag der blutigen Schlacht! [الْيَوْمُ يَوْمُ الْمَلْحَمَةِ]“, korrigierte ihn der Prophet ﷺ augenblicklich voller Entrüstung [58]:

«كَذَبَ سَعْدٌ، بَلِ الْيَوْمُ يَوْمُ الْمَرْحَمَةِ»

„Sa’d hat geirrt! Vielmehr ist heute der Tag der Barmherzigkeit!“ [58]

Es ist die ewige Realität der Welt, die ein kluger Historiker so zusammenfasste [58]: Als der Prophet ﷺ schwach ohne Waffen auftrat, riefen die Heiden voller Verachtung: «تَبًّا لَكَ أَلِهَذَا جَمَعْتَنَا؟» (Verderben über dich! Hast du uns etwa dafür zusammengerufen?) [58]. Doch als er mit 10.000 gezogenen Schwertern vor ihnen stand, flüsterten sie zitternd: «أَخٌ كَرِيمٌ وَابْنُ أَخٍ كَرِيمٍ» (Ein edler Bruder und der Sohn eines edlen Bruders!) [58]. Dies ist die ungeschminkte Natur dieser Welt [58]!


5. Das moralische Gebot der Stärke: Die Befreiung der Unterdrückten

Selbst wenn wir den hypothetischen Fall annehmen, dass der islamische Staat im Inneren niemals angegriffen worden wäre: Besitzt eine gerechte, gottesfürchtige Macht nicht die verdammte moralische Pflicht, einzugreifen, wenn unschuldige Menschen unter der Tyrannei despotischer Herrscher gepeitscht, versklavt und ihrer Menschenwürde beraubt werden?

Die islamischen Eroberungen (Al-Futhuhat / الْفُتُوحَاتُ) waren keine imperialistischen Raubzüge zur Plünderung von Rohstoffen [58]. Sie waren gewaltige zivilisatorische Befreiungsschläge [58].

Als die Muslime nach Ägypten und Syrien vorstießen, vertrieben sie nicht die einheimische Bevölkerung, sondern sie zerschlugen das Joch der byzantinischen Steuerknechtschaft und der religiösen Zensur [58]. Die einheimischen koptischen Christen empfingen die muslimischen Heere als Erlöser vor der brutalen, blutigen Verfolgung durch die Staatskirche von Konstantinopel [58].

Der berühmte französische Kulturhistoriker Gustave Le Bon (غُوسْتَاف لُوبُون) bezeugte diese historische Wahrheit voller Ehrfurcht [58]:

„Die Welt hat noch nie Eroberer gesehen, die so barmherzig und tolerant waren wie die Araber, und keine Religion, die so viel Respekt vor Andersgläubigen bewahrte wie der Islam.“ [58]

Das prophetische Schwert diente somit niemals dazu, den Glauben in die Herzen zu zwingen [58]. Es diente einzig dazu, die Ketten der Tyrannei zu sprengen, damit der Mensch in absoluter sozialer und geistiger Freiheit selbst entscheiden kann, welchen Weg er beschreiten will [58].


Gegründet auf den historischen Analysen von Dr. Mohamed Elhamy in Episode 13. [58]

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