Dr. Muhammad Elhamy
Eine tiefgehende historische Richtigstellung der zivilisatorischen Dimension der Sira auf Basis der Analysen von Dr. Mohamed Elhamy [57]
Wenn du die zeitgenössischen Werke über das Leben des Propheten ﷺ aufschlägst, wirst du Zeuge eines tief besorgniserregenden Phänomens [57]. Viele moderne muslimische Autoren verfallen beim Thema Krieg und Staatsmacht in eine defensive, fast schon winselnde Entschuldigungshaltung [57]. Sie versuchen krampfhaft, die Schlachten des Propheten ﷺ zu verstecken, zu verharmlosen oder als reine, pazifistische „Defensivscharmützel“ darzustellen, nur um den moralischen Ansprüchen des heutigen westlichen Zeitgeists zu gefallen [57].
Sie kritisieren sogar die klassischen Historiker dafür, dass diese ihre Sira-Werke oft unter dem Titel „Al-Maghazi“ (الْمَغَازِي – Die Schlachten) zusammenfassten, und behaupten, dies würde ein falsches Licht auf den Islam werfen [57].
Dr. Elhamy warnt uns eindringlich vor dieser psychologischen Falle der Besiegten [57]. Die alten Gelehrten (الْعُلَمَاءُ الْقُدَامَى) schrieben aus einer Position des absoluten zivilisatorischen Selbstbewusstseins, des Stolzes und der machtvollen Etablierung (Tamkin / تَمْكِين) [57]. Sie lebten auf dem Gipfel der weltweiten Kultur und hatten keinerlei Komplexe oder das Bedürfnis, sich für irgendetwas zu entschuldigen [57].
Sie nannten ihre Werke Al-Maghazi, weil die politische und militärische Geschichte das unverzichtbare Rückgrat eines jeden Staates ist [57]. Wenn du heute die Standardwerke über die Geschichte Frankreichs, Großbritanniens oder der USA aufschlägst, liest du primär über den Hundertjährigen Krieg, die napoleonischen Feldzüge, den Amerikanischen Bürgerkrieg und die Weltkriege [57]. Niemand käme auf die absurde Idee zu behaupten, diese Länder besäßen keine Kultur oder Wissenschaften, nur weil ihre Geschichtsschreibung sich an ihren politischen Kriegen orientiert [57].
Die Schlachten des Propheten ﷺ waren die eisernen Meilensteine, die den politischen Raum sicherten, in dem die islamische Zivilisation überhaupt erst geschützt erblühen konnte [57]. Ohne diese Machtbasis wäre die zivile Botschaft des Islams im Keim erstickt worden [57].
Hinter dem schützenden Schild des Schwertes bauten der Prophet ﷺ und seine Gefährten in Medina einen hocheffizienten, hochmodern strukturierten Staat auf [57].
Als der säkulare ägyptische Autor Ali Abdel Raziq (عَلِي عَبْدُ الرَّازِق) in den 1920er Jahren behauptete, der Islam sei eine reine spirituelle Botschaft ohne staatlichen oder gesetzgebenden Anspruch gewesen, antwortete ihm der marokkanische Universalgelehrte Abdul Hayy al-Kattani (عَبْدُ الْحَيِّ الْكَتَّانِيُّ) mit einem wissenschaftlichen Donnerschlag [57]: seinem epochalen Werk „At-Taratib al-Idariyyah“ (التراتيب الإدارية - Die administrativen Strukturen / System der Regierung des Propheten) [57].
Al-Kattani wies anhand der authentischen Quellen penibel nach, dass der Staat von Medina bereits alle Kernfunktionen einer hochentwickelten Staatsverwaltung besaß [57]:
Unter der Führung des Propheten ﷺ vollzog die Oase Yathrib eine rasante urbane Revolution [57].
Unsere Mutter Aisha (عَائِشَةُ) überliefert uns ein faszinierendes Detail über den hygienischen Wandel [57]. Sie berichtet, dass die Muslime in den ersten Jahren Medinas keine Toiletten in ihren Häusern hatten; sie mussten nachts mühsam weit hinaus in die dunklen Felder gehen [57]. Doch in kürzester Zeit erlebte Medina einen städtebaulichen Quantensprung: Die Häuser wurden systematisch mit innenliegenden, hygienischen Sanitäranlagen (Al-Kunuf / الْكُنُف) ausgestattet [57].
Die Stadt expandierte so gewaltig, dass der Prophet ﷺ zu Abu Dhar sprach:
«إِذَا رَأَيْتَ الْبِنَاءَ يَبْلُغُ جَبَلَ سَلْعٍ فَلَا تَبْقَ فِي الْمَدِينَةِ»
„Wenn du siehst, dass die Gebäude den Berg Sela erreichen, dann verlasse die Stadt.“ [57]
Und Abu Dhar erlebte diese Expansion noch zu Lebzeiten mit eigenen Augen [57]. Die geografischen Beschreibungen in den Hadithen sind so präzise, dass der große Historiker Dr. Hussein Moanes (حُسَيْنُ مُؤْنِسٌ) in seinem berühmten „Atlas der Geschichte des Islams“ eine exakte Straßen- und Viertelkarte des prophetischen Medina zeichnen konnte [57].
Um dich in den unendlichen Details der Sira nicht zu verlieren, musst du das Leben des Propheten ﷺ (63 Lebensjahre) in drei glasklare, chronologische Epochen unterteilen [57]:
Vom Jahr der Geburt (عام الفيل) bis zum Alter von 40 Jahren.* Der Fokus: Kindheit, das Hüten der Schafe, die absolute Unbescholtenheit (Al-Amin) und die Ehe mit Khadijah [57]. Obwohl diese Phase die längste ist, nimmt sie in den Büchern den geringsten Platz ein, da sie frei von gesetzgeberischen Ereignissen war [57].
*Vom Alter von 40 Jahren bis zur Auswanderung (Hidschra).*Diese 13 Jahre lassen sich in fünf präzise Abschnitte gliedern [57]:
*Von der Hidschra bis zum Ableben des Siegels der Propheten ﷺ.*Diese zehn Jahre stellen die dichteste und ereignisreichste Epoche der Menschheit dar und lassen sich in fünf Phasen unterteilen [57]:
Gegründet auf den historischen Analysen von Dr. Mohamed Elhamy in Episode 14. [57]