Dr. Mohamed Elhamy
Eine tiefgehende wissenschaftstheoretische Richtigstellung, die Demontage des modernen Zweifels und die Rekonstruktion des unerreichten Systems des Isnad auf Basis der Analysen von Dr. Mohamed Elhamy [70]
Wenn du als denkender Muslim die heutige Medienlandschaft, die staatlichen Lehrpläne und die geschichtlichen Erzählungen der modernen Welt betrachtest, wirst du Zeuge eines besorgniserregenden Phänomens [70]. Du siehst, wie brutale Verbrechen im Fernsehen in Friedensmissionen umgedeutet werden, wie unschuldige Opfer zu Terroristen deklariert werden und wie machthungrige Tyrannen durch die Feder bezahlter Hofschreiber als Heilsbringer in die Geschichte eingehen [70]. Angesichts dieser rasanten, systematischen Fälschung des gegenwärtigen Geschehens schleicht sich unweigerlich ein tiefer, lähmender Zweifel in deine Seele [70]:
„Wenn die Mächtigen der Erde das Heute vor unseren eigenen Augen so schamlos und lückenlos verzerren können – wie können wir dann jemals dem geschriebenen Wort des Gestern vertrauen?“ [70]
Dieser Zweifel ist keine bloße Laune der Sessel-Skeptiker [70]. Er berührt das Herzstück einer der einflussreichsten Strömungen der modernen Wissenschaftstheorie [70]. Der weltberühmte Philosoph Karl Popper widmete diesem Dilemma sein bahnbrechendes Werk „Das Elend des Historizismus“ [70]. Er und seine Denkschule kamen zu dem zynischen Schluss, dass die Geschichte letztlich nichts anderes sei als „eine Sammlung von Lügen, auf die man sich geeinigt hat“ [70]. Ihre Argumentation klingt auf den ersten Blick bestechend logisch: Wir besitzen keine Zeitmaschine, mit der wir in die Vergangenheit reisen könnten, um die Behauptungen der alten Chronisten empirisch im Labor zu überprüfen [70]. Da wir den Wahrheitsgehalt der Berichte nicht direkt verifizieren können, sei die gesamte Geschichtswissenschaft wertlos und ein reines Instrument der Herrschaftssicherung [70].
Dr. Mohamed Elhamy tritt diesem lähmenden Geschichts-Nihilismus mit zwei alltagsnahen, logisch unbezwingbaren Gegenargumenten entgegen [70]:
Das menschliche Leben ist kurz – es dauert sechzig, siebzig oder in seltenen Fällen achtzig Jahre [70]. Diese kurze Spanne reicht bei weitem nicht aus, um die komplexen, ewig wiederkehrenden Gesetzmäßigkeiten (Sunan / السُّنَن) des Aufstiegs und Falls von Imperien, Zivilisationen und Staaten am eigenen Leibe zu erfahren [70]. Wer die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten will, ist gezwungen, das Gedächtnis der Menschheit – die Geschichtsschreibung – zu studieren, um nicht wie ein geistig Blinder durch die Welt zu irren [70].
Wie fatal sich ein Mangel an historischer Tiefe in der Praxis auswirkt, analysiert Dr. Elhamy am brennenden Beispiel von Palästina (فِلَسْطِين) [70]: Tritt ein junger Mann ohne geschichtliches Wissen vor diesen Konflikt, wird er angesichts der aktuellen Ereignisse und der Gewalt des zionistischen Staates völlig naive, untaugliche Lösungen vorschlagen [70]. Er wird von einem „gemeinsamen Staat der Versöhnung“ träumen, von „dauerhaftem Frieden durch diplomatische Abkommen“ schwadronieren oder in zynische Ohnmacht verfallen und sagen, man müsse die Palästinenser eben vertreiben, da die Besatzer militärisch überlegen seien [70].
Der historisch gebildete Geist hingegen blickt durch die Nebelwand der Gegenwart hindurch [70]. Er weiß genau:
Ohne die الذاكرة التاريخية (das historische Gedächtnis) ist der Mensch dazu verdammt, die Fehler der Vergangenheit unendlich oft zu wiederholen und sich von der Propaganda des Siegers versklaven zu lassen [70].
Der schlagendste wissenschaftliche Beweis für die Existenz unumstößlicher geschichtlicher Gesetze (Sunan) und den unschätzbaren Nutzen des Geschichtsstudiums liegt in der Fähigkeit großer Historiker zur Zukunftsvorhersage (الاستشراف / Istishraf) [70]. Wenn die Geschichte nur eine wirre Kette von zufälligen Ereignissen wäre, wäre eine solche Vorschau unmöglich [70]. Dr. Elhamy präsentiert uns hierzu zwei atemberaubende historische Beispiele [70]:
Der weltberühmte Denker und Urvater der Soziologie, Ibn Khaldun (ابْنُ خَلْدُونٍ), reiste im 14. Jahrhundert nach Al-Andalus [70]. Zu diesem Zeitpunkt war das islamische Andalusien noch eine blühende, scheinbar wehrhafte Zivilisation [70]. Doch Ibn Khaldun blickte mit dem unbestechlichen Auge des Historikers auf die soziologischen Details [70]. Er beobachtete, dass die Muslime in Andalusien begannen, die Bräuche, die Kleidung und die Lebensweise der christlichen Kastilier zu imitieren und sogar christliche Symbole an ihren Häusern anzubringen [70].
Er erkannte darin das eiserne Gesetz der kulturellen Niederlage, das er in seiner Muqaddimah unter dem berühmten Kapitel verankerte [70]:
«الْمَغْلُوبُ مُولَعٌ أَبَدًا بِالِاقْتِدَاءِ بِالْغَالِبِ فِي شِعَارِهِ وَزِيِّهِ وَنِحْلَتِهِ وَسَائِرِ أَحْوَالِهِ وَعَوَائِدِهِ»
„Der Besiegte ist in seiner Psychologie allzeit leidenschaftlich darauf fixiert, dem Sieger in seinen Symbolen, seiner Kleidung, seinem Glauben und all seinen Bräuchen und Gewohnheiten nachzueifern.“ [70]
Ibn Khaldun folgerte messerscharf: Die kulturelle Kapitulation der andalusischen Muslime ist das unaufhaltbare Vorzeichen ihrer baldigen militärischen Vernichtung [70]. Und tatsächlich: Genau einhundert Jahre nach seinem Tod fiel Granada (غَرْنَاطَةُ) im Jahr 1492, und die Muslime wurden vollständig aus Europa vertrieben [70]. Seine historische Analyse hatte die Zukunft mit erschreckender Präzision vorausgesagt [70].
Noch spektakulärer ist seine politische Analyse des Nahen Ostens, die uns von seinem treuen Schüler, dem großen Hadith-Giganten Ibn Hajar al-Asqalani (ابْنُ حَجَرٍ الْعَسْقَلَانِيُّ), überliefert wurde [70]. Zu Lebzeiten Ibn Khalduns war das Mamluken-Sultanat in Ägypten und Syrien die unangefochtene militärische und wirtschaftliche Supermacht der islamischen Welt [70]. Die osmanische Dynastie im Norden war noch ein junges, kleines Fürstentum [70]. Doch Ibn Khaldun sagte wiederholt zu Ibn Hajar [70]:
„Es gibt für das Reich der Mamluken in Ägypten keine existenzielle Gefahr, außer durch die Hand der Söhne Uthmans [die Osmanen].“ [70]
Diese Vorhersage war damals so ungeheuerlich, dass sie von zeitgenössischen Politikern als absurde Träumerei abgetan wurde [70]. Doch was geschah? Exakt einhundertzehn Jahre nach dem Ableben Ibn Khalduns marschierte Sultan Selim I. im Jahr 1517 in Kairo ein, stürzte die Mamluken-Dynastie und vereinte die islamische Welt unter dem osmanischen Banner [70].
Diese intellektuellen Meisterleistungen beweisen: Wer die Geschichte versteht, liest die Zukunft wie ein offenes Buch [70].
Als gläubiger Muslim darfst du dich niemals von jenen einlullen lassen, die behaupten, die Beschäftigung mit der Geschichte sei Zeitverschwendung [70]. Denn wenn du den Heiligen Koran aufschlägst, stößt du auf eine überwältigende theologische Tatsache [70]:
Ein volles Drittel des Korans besteht aus historischen Erzählungen und Geschichten vergangener Völker (قصص القرآن)! [70]
Allah, der Allweise, hat Seiner Ummah kein trockenes Gesetzbuch herabgesandt, sondern Seine zeitlosen Lehren in die Gewänder historischer Berichte gekleidet [70]. Der große Historiker Ibn al-Athir (ابْنُ الْأَثِيرِ) entgegnete den Zweiflern seiner Zeit in der Einleitung seines Werks „Al-Kamil fi al-Tarikh“ mit unerbittlicher Härte [70]: Wer behauptet, Geschichte sei nutzlos, der gleicht den heidnischen Quraisch, die vor 1400 Jahren voller Hochmut vor den Propheten ﷺ traten und über die quranischen Berichte spotteten [70]:
«إِنْ هَٰذَا إِلَّا أَسَاطِيرُ الْأَوَّلِينَ»
„Dies sind nichts anderes als die Fabeln der Vorfahren!“ (Sure Al-An’am: 25) [70]
Allah hat diese Geschichten herabgesandt, damit wir aus ihnen lernen und die ewigen Gesetze Seiner Gerechtigkeit begreifen, wie Er es im Koran formuliert hat [70]:
«إِنَّ فِي ذَٰلِكَ لَذِكْرَىٰ لِمَن كَانَ لَهُ قَلْبٌ أَوْ أَلْقَى السَّمْعَ وَهُوَ شَهِيدٌ»
„Wahrlich, darin liegt eine Mahnung für denjenigen, der ein Herz besitzt oder sein Gehör aufmerksam schenkt, während er Zeuge ist.“ (Sure Qaf: 37) [70]
Der berühmte amerikanische Orientalist Wilfred Cantwell Smith hielt in seinen Schriften ein faszinierendes Zeugnis über die Einzigartigkeit des islamischen Geschichtsverständnisses fest [70]: Er legte dar, dass von allen Weltreligionen die Muslime das tiefste, lebendigste und aktivste Bewusstsein für die Geschichte besitzen [70].
Deshalb schrieben französische Historiker in ihrem Monumentalwerk „Die komplette Weltgeschichte“ jenen bewundernden Satz [70]:
„Der Islam ist eine Religion der Helden, weit mehr als eine Religion der Märtyrer.“ [70]
Obwohl die Fähigkeit zur historischen Vorhersage (Istishraf) ein unschätzbares Werkzeug für die strategische Planung des Staates ist, verfällt der aufrechte Muslim niemals in die Falle des tatenlosen Fatalismus [70]. Dr. Elhamy führt uns hierbei zu einer der tiefsten Lebensweisheiten unseres Glaubens [70]:
Der Muslim ist von Allah nicht dazu verpflichtet worden, das Ergebnis der Geschichte vorherzusagen – er ist dazu verpflichtet worden, seine Pflicht (الواجب / Al-Wajib) im Hier und Jetzt zu erfüllen! [70]
Stell dir vor, du hättest im Jahr 1948 in Palästina gelebt [70]. Alle geostrategischen Berechnungen, alle militärischen Analysen und alle historischen Vorhersagen hätten dir mit eiskalter Bestimmtheit gesagt: „Dieser Kampf gegen die zionistischen Scharen ist militärisch nicht zu gewinnen; wir stehen vor einer bitteren Niederlage.“ [70] Was hätte der Muslim in dieser Stunde tun sollen [70]? Die Waffen strecken und tatenlos zusehen, wie sein Land geraubt wird [70]?
Niemals! [70]
Der Muslim kämpft nicht, weil er eine mathematische Garantie auf den Sieg besitzt [70]. Er kämpft, weil Allah es ihm befohlen hat, sein Recht, sein Blut und seine Ehre zu verteidigen [70]. Wenn er siegt, so ist dies die Gunst Allahs; wenn er fällt, so stirbt er als heroischer Märtyrer und zieht triumphiert in die Gärten des Paradieses ein [70]. Das Handeln nach dem Wajib ist vollkommen unabhängig von der Wahrscheinlichkeit des Erfolgs [70].
Dass wir heute in einer Zeit leben, in der die Stimmen der Unwürdigsten die öffentliche Debatte dominieren, ist die direkte Erfüllung einer wehmütigen prophetischen Warnung [70]:
«سَتَأْتِي عَلَى النَّاسِ سَنَوَاتٌ خَدَّاعَاتٌ، يُصَدَّقُ فِيهَا الْكَاذِبُ، وَيُكَذَّبُ فِيهَا الصَّادِقُ، وَيُؤْتَمَنُ فِيهَا الْخَائِنُ، وَيُخَوَّنُ فِيهَا الْأَمِينُ، وَيَنْطِقُ فِيهَا الرُّوَيْبِضَةُ. قَالُوا: وَمَا الرُّوَيْبِضَةُ؟ قَالَ: الرَّجُلُ التَّافِهُ يَتَكَلَّمُ فِي أَمْرِ الْعَامَّةِ»
„Es werden über die Menschen Jahre der Täuschung kommen! In ihnen wird dem Lügner geglaubt und der Wahrhaftige der Lüge bezichtigt. In ihnen wird dem Verräter vertraut und dem Vertrauenswürdigen der Verrat unterstellt. Und in ihnen wird der Ruwaybidah das Wort ergreifen! Sie fragten: ‚Und wer ist der Ruwaybidah?‘ Er ﷺ antwortete: ‚Der unbedeutende, wertlose Mann, der sich anmaßt, über die Angelegenheiten der Allgemeinheit zu sprechen!‘“ [70]
Wir leben heute im finsteren Zeitalter der Ruwaybidah [70]. Auf den Bildschirmen und in den sozialen Netzwerken unserer Zeit erklären uns Clowns, Söldner-Journalisten und ahnungslose Laien die Welt, während die wahren Gelehrten und Männer der Basiirah im Kerker schmachten oder zum Schweigen gezwungen werden [70]. Doch das Wissen um diese Epoche schützt den Muslim davor, sich von ihren Lügen blenden zu lassen [70].
Nun kommen wir zu der alles entscheidenden Frage: Warum können wir dem klassischen islamischen Geschichtserbe mit absoluter Gewissheit vertrauen, während wir dem modernen Geschichtsbetrieb mit tiefstem Misstrauen begegnen müssen? [70]
Dr. Elhamy dekonstruiert diese Frage an der soziologischen Wurzel der Entstehung dieser Wissenschaft [70]:
In fast allen Zivilisationen der Menschheit (bei den Römern, den Chinesen, den Persern und im modernen Europa) entstand die Geschichtsschreibung im Schoß der Paläste der Macht [70]. Die Könige stellten Schreiber ein, bezahlten sie fürstlich und gaben ihnen den klaren Befehl: „Schreibt meine Taten auf, verherrlicht meine Kriege und rechtfertigt meine Herrschaft vor dem Volk!“ [70]
Im Islam jedoch war die Geburtsstunde eine völlig andere [70]:
Die islamische Geschichtsschreibung entstand nicht, um Könige zu schmeicheln oder Reiche zu verherrlichen – sie entstand als ein integraler Bestandteil der islamischen Religionswissenschaften (العلوم الشرعية), um den Glauben vor Verfälschung zu schützen! [70]
Die frühen Muslime benötigten eine absolut fehlerfreie, unbestechliche Methode, um das Erbe des Propheten ﷺ zu bewahren [70]. Sie mussten mit mathematischer Präzision wissen [70]:
Der Begründer der islamischen Geschichtsschreibung, Khalifah ibn Khayyat (خَلِيفَةُ بْنُ خَيَّاطٍ – gest. 240 n.H.), definierte den Zweck dieser Wissenschaft in seinem Werk mit unübertroffener Schlichtheit [70]:
«وَالتَّارِيخُ يَعْرِفُ بِهِ النَّاسُ مَوَاقِيتَ حَجِّهِمْ، وَصَلَاتِهِمْ، وَانْقِضَاءِ عِدَدِ نِسَائِهِمْ، وَمَحِلِّ دُيُونِهِمْ»
„Das Werk des Historikers dient einzig und allein dazu, dass die Muslime die Zeiten ihrer Pilgerfahrt (Hajj), ihrer Pflichtgebete, das Ende der Wartezeit (Iddah) ihrer geschiedenen Frauen und den Fälligkeitstag ihrer Schulden exakt bestimmen können.“ [70]
Um dieses göttliche Fundament zu sichern, erfanden die Muslime eine Methode, die die gesamte europäische Geistesgeschichte vor Neid erblassen lässt [70]. Eine Methode, die der britische Orientalist David Samuel Margoliouth voller Ehrfurcht als „das größte Ruhmesblatt der islamischen Zivilisation“ beschrieb [70]:
[ Die Festung des Isnad ]
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[ Die Charakterprüfung ] [ Die zeitliche Verbindung ] [ Die textliche Richtigstellung ]
(Glaube, Wahrheit, Gedächtnis) (Haben sie sich getroffen?) (Freiheit von feinsten Fehlern)
Der unsterbliche Gelehrte Imam Ibn Hazm (ابْنُ حَزْمٍ الْأَنْدَلُسِيُّ) hielt in seinem Werk „Al-Fisal“ fest, dass diese wissenschaftliche Akribie der ultimative Beweis für die Wahrheit des Islams ist [70]:
„Es gibt auf dieser Erde keine einzige Religion und kein Volk, das in der Lage ist, die Worte ihres Propheten (sei es Moses, Jesus, Buddha oder Konfuzius) mit einer wissenschaftlich verifizierbaren, lückenlosen Überlieferungskette nachzuweisen, außer im Islam. Alle anderen Schriften leiden unter Jahrhunderten der historischen Dunkelheit und des absoluten Informationsabrisses.“ [70]
Der letzte, fundamentale Grund für die makellose Glaubwürdigkeit unseres klassischen Erbes liegt in der soziologischen Unabhängigkeit der islamischen Gelehrsamkeit [70].
In Europa war die Universität stets ein Spielball der Könige und Päpste [70]. Im klassischen Islam hingegen war die Wissenschaft vollkommen unabhängig von der herrschenden Kaste [70]. Es gab keine staatlichen Ministerien für Bildung oder Kultur, die den Lehrplan diktierten [70]. Die großen Historiker verdienten ihren Lebensunterhalt oft als einfache Händler auf den Märkten, um niemals finanziell von den Palästen der Macht abhängig zu sein [70].
Wenn ein Gelehrter sich dennoch dazu herabließ, im Auftrag eines Königs eine geschönte Dynastiegeschichte zu schreiben, wurde er von der wissenschaftlichen Gemeinschaft augenblicklich verachtet und sozial geächtet [70].
Als der berühmte Gelehrte Abu Ishaq al-Sabi’ von dem herrschenden Buyiden-König den lukrativen Auftrag erhielt, ein glorreiches Geschichtswerk über dessen Herrschaftsfamilie zu verfassen, betrat ein Freund seine Stube und sah ihn fleißig schreiben [70]. Der Freund fragte ihn verwundert: „O Abu Ishaq, was schreibst du da?“ Al-Sabi’ blickte ihn beschämt an und antwortete mit jenem legendären, entlarvenden Satz [70]:
«أَكَاذِيبُ أُنَمِّقُهَا وَأَبَاطِيلُ أُصَنِّفُهَا»
„Es sind geschmückte Lügen, die ich hier verziere, und hohle Unwahrheiten, die ich systematisch anordne!“ [70]
Weil die Gelehrtengemeinschaft solche Hofschreiber sofort identifizierte und deklassierte, blieb unser Kernarchiv von staatlicher Propaganda vollkommen unbefleckt [70]. Der britische Orientalist Margoliouth bezeugte voller Staunen, dass selbst jene Historiker, die direkt im administrativen Dienst der Kalifen standen, in ihren Werken eine „unfassbare, unbestechliche Objektivität und Unabhängigkeit gegenüber ihren eigenen Arbeitgebern an den Tag legten, die man in Europa niemals finden würde“ [70].
Die Giganten unseres historischen Erbes – wie Al-Tabari, Ibn Kathir oder Al-Dhahabi – waren keine politischen Kommentatoren [70]. Sie waren die unangefochtenen Koryphäen des Korantafsir, die Hüter des Hadith und die obersten Rechtsgelehrten der Ummah [70].
Sie wussten, dass an jedem Wort, das sie schrieben, ihr eigener sozialer Status und vor allem ihre Errettung vor Allah am Jüngsten Tag hing [70]. Ein Historiker, der beim Lügen oder beim feigen Einschmeicheln beim Sultan erwischt worden wäre, hätte augenblicklich seine gesamte religiöse Autorität verloren [70]. Niemand hätte mehr seine Fatwas akzeptiert oder seine Hadithe überliefert [70]. Sie schrieben unter dem unerbittlichen Diktat des göttlichen Bewusstseins [70]:
«مَا يَلْفِظُ مِن قَوْلٍ إِلَّا لَدَيْهِ رَقِيبٌ عَتِيدٌ»
„Kein einziges Wort spricht er aus, ohne dass bei ihm ein unermüdlicher Wächter bereitsteht.“ (Sure Qaf: 18) [70]
Dr. Elhamy schließt dieses monumentale Kapitel mit einer scharfen, bitteren Analyse des gegenwärtigen Zustands [70]. Er warnt uns davor, die unbestechlichen Maßstäbe unserer klassischen Väter unreflektiert auf die heutigen „Historiker“ an den staatlichen Universitäten anzuwenden [70]:
Im 21. Jahrhundert ist die wissenschaftliche Festung in sich zusammengebrochen [70]. Die Universitäten werden von diktatorischen Regimes kontrolliert, die Lehrstühle werden nach politischer Loyalität und Vetternwirtschaft vergeben, und akademische Titel werden auf den Märkten der Korruption feilgeboten [70]. Der moderne staatliche Historiker ist gezwungen, das Lied jener Macht zu singen, die ihn bezahlt, um seine Existenz zu sichern [70].
Wer heute die Wahrheit sucht, darf sich nicht blenden lassen [70]. Er muss zurückkehren zu jener ehrfurchtsvollen, unerbittlichen Methode des Isnad und der moralischen Unbestechlichkeit, die unsere Zivilisation einst zum strahlenden Leuchtturm der Gerechtigkeit auf dieser Erde gemacht hat [70]!
Gegründet auf den historischen Analysen von Dr. Mohamed Elhamy in Episode 1. [70]