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Eine tiefgehende historische Richtigstellung, die geopolitische Rekonstruktion des ersten islamischen Weltreichs und die Verteidigung der umayyadischen Staatskunst auf Basis der Analysen von Dr. Mohamed Elhamy [49]
Wenn du dich als gläubiger Muslim mit der Geschichte der Umayyaden (بَنُو أُمَيَّةَ) beschäftigst, musst du dich zuerst von der lähmenden psychologischen Niederlage befreien, die die moderne islamische Welt gefangen hält [49]. Dr. Mohamed Elhamy erinnert uns an das unsterbliche, psychologische Gesetz des großen arabischen Dichters Ibn al-Rumi (ابْنُ الرُّومِيِّ) über die Macht der suggestiven Umdeutung (Sihr al-Bayan / سِحْرُ الْبَيَانِ) [49]:
«تَقُولُ هَذَا رَحِيقُ النَّحْلِ تَمْدَحُهُ … وَإِنْ تَعِبْ قُلْتَ ذَا قَيْءُ الزَّنَابِيرِ»
„Du sagst, dies sei der Nektar der Biene, wenn du es loben willst; doch wenn du es tadelst, sagst du, es sei das Erbrechen der Wespen.“ [49]
Dieses literarische Gesetz beschreibt perfekt die zynische Doppelmoral, mit der die säkulare Moderne und die feindselige Orientalistik das Vermächtnis der Umayyaden verunglimpfen [49]. Schau dir die heutigen westlichen Nationen an [49]. Wenn im britischen Unterhaus Abgeordnete aufeinander losgehen, sich beschimpfen, oder wenn eine amerikanische Spitzenpolitikerin den gedruckten Entwurf des Präsidenten vor laufenden Kameras zerreißt, feiert die liberale Presse dies als „vitale, lebendige Demokratie“ [49].
Doch wenn die Muslime vor 1400 Jahren nach den traumatischen Erschütterungen des Bürgerkriegs (Al-Fitnah) in der majestätischen Vereinbarung des Jahr der Gemeinschaft (عَامُ الْجَمَاعَةِ - 41 n.H.) zusammenkamen, um ohne ein einziges böses Wort die politische Nachfolge zu regeln und das Blutvergießen dauerhaft zu beenden, dann raunt dieselbe Kritik zynisch: „Seht her! Hier wurde die Herrschaft geraubt, die Schura zerstört und die Tyrannei etabliert!“ [49].
Wir müssen diese psychologische Unterlegenheit (Athar al-Ghalib ala al-Maghlub) radikal zerschlagen [49]. Die historische Wahrheit ist: Die Umayyaden waren keine machthungrigen Thronräuber [49]. Sie waren die fähigsten Administratoren, genialsten Diplomaten und unerschrockensten Feldherren, die diese Ummah je hervorgebracht hat [49]. Sie retteten die politische Substanz des Islams in einer Phase, in der das Reich ohne ihre eiserne Staatskunst unweigerlich in anarchische Stammeskriege zerfallen wäre [49].
Um zu begreifen, warum die Umayyaden das administrative und politische Fundament der islamischen Zivilisation legten, müssen wir ihre tiefe soziale Verankerung in der quraischitischen Gesellschaft Mekkas untersuchen [49].
Die Linie führt uns zurück zu Abd Manaf (عَبْدُ مَنَافٍ), dem gemeinsamen, herrschaftlichen Urgroßvater des Propheten Muhammad ﷺ und der Umayyaden [49]. Abd Manaf hatte zwei herausragende Söhne, deren Häuser die Geschicke der Halbinsel prägen sollten [49]:
[ Abd Manaf (عَبْدُ مَنَافٍ) ]
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[ Haschim (هَاشِمٌ) ] [ Abd Schams (عَبْدُ شَمْسٍ) ]
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(Banu Haschim) [ Umayya (أُمَيَّةُ) ]
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[ Muhammad ﷺ ] (Banu Umayya)
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(Sufjaniden-Zweig) (Marwaniden-Zweig)
[ Harb / Abu Sufyan ] [ Al-Aas / Marwan ]
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[ Muawiyah I. ] [ Abdul Malik ]
Während die Haschimiten für ihre unübertroffene spirituelle, moralische und religiöse Führung verehrt wurden, lag in den Adern von Banu Abd Schams (den Umayyaden) das absolute Gen für praktische Staatsverwaltung, Diplomatie, Finanzen und Kriegführung [49]. Sie waren schlaue, weit gereiste Händler, geschickte Verhandlungsführer und geborene Anführer der Wüste [49]. Zu ihren führenden Köpfen in Mekka gehörten Giganten wie Utbah ibn Rabi’ah, Shaybah ibn Rabi’ah, Hind bint Utbah und Abu Sufyan (صَخْرُ بْنُ حَرْبٍ), der nach dem Fall der älteren Führungsgeneration in der Schlacht von Badr zum unbestrittenen Oberhaupt Mekkas aufstieg [49]. Auch der dritte Kalif, Uthman ibn Affan (عُثْمَانُ بْنُ عَفَّانَ), entsprang direkt diesem edlen umayyadischen Zweig [49].
Dr. Elhamy beantwortet eine oft übersehene Frage: Warum nennen wir sie nicht die „Sufjaniden-Dynastie“ oder die „Marwaniden-Dynastie“, da die Macht nach dem Gründer Muawiyah (aus der Linie Abu Sufyans) bald auf die Linie von Marwan ibn al-Hakam überging [49]?
Die Araber benannten ihre Dynastien klassischerweise nach dem gemeinsamen Ahnherrn (الْجَدُّ الْجَامِعُ) [49]. Dies gleicht dem historischen Beispiel der Ayyubiden: Da die Herrschaft nach dem Tod von Salah ad-Din al-Ayyubi nicht in dessen direkter Linie verblieb, sondern auf seine Brüder und Neffen überging, wurde die Dynastie nach ihrem gemeinsamen Vater Ayyub benannt und nicht „Salahiyyah-Dynastie“ genannt [49]. Da die beiden herrschenden umayyadischen Häuser (die Sufjaniden und die Marwaniden) im gemeinsamen Ahnherrn Umayya zusammenlaufen, ging dieses Weltreich als Die Umayyaden-Dynastie in die Geschichte ein [49].
Es ist eine historische Lüge, die von sektiererischen und modernen Autoren verbreitet wird, der Prophet ﷺ oder die rechtgeleiteten Kalifen hätten die Umayyaden gehasst oder aus den Ämtern gedrängt [49]. Das Gegenteil ist der Fall: Sie erkannten ihre administrative Exzellenz und vertrauten ihnen die sensibelsten Posten des Staates an [49].
Der große Gelehrte Ibn Taimiyyah (ابْنُ تَيْمِيَّةَ) hielt in seinem Monumentalwerk fest [49]:
«مَا نَعْرِفُ فِي وُلَاةِ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَكْثَرَ عَدَدًا مِنْ بَنِي أُمَيَّةَ»
„Wir kennen unter den Statthaltern des Gesandten Allahs ﷺ niemanden, der an Zahl reichhaltiger vertreten war als die Familie der Umayyaden.“ [49]
Umar war berühmt für seine gnadenlose, lückenlose Überwachung seiner Statthalter [49]. Er entließ unerschütterliche Giganten wie Abu Hurayrah aus Bahrain oder Saad ibn Abi Waqqas aus Kufa beim geringsten Verdacht auf administrative Unaufmerksamkeit oder finanzielle Großzügigkeit [49]. Doch Muawiyah hielt sich unter Umar acht Jahre lang fehlerfrei im Amt [49]!
Der große Chronist Al-Dhahabi (الذَّهَبِيُّ) schrieb hierzu jene weisen Worte [49]:
«وَحَسْبُكَ بِمَنْ يُوَلِّيهِ عُمَرُ وِلَايَةً فَيَرْضَى عَنْهُ فِيهَا وَهِيَ ثَغْرٌ، فَيَضْبِطُهُ أَتَمَّ ضَبْطٍ وَيَسُوسُهُ أَحْسَنَ سِيَاسَةٍ»
„Und es genüge dir als unumstößlicher Beweis über einen Mann, den Umar mit einer Statthalterschaft betraut, mit ihm darin vollkommen zufrieden ist, während es sich um eine gefährliche Grenze [Thagr] handelt, woraufhin er sie in vollkommenster Weise sichert und sie auf die allerbeste Art und Weise regiert!“ [49]
Muawiyah beherrschte die Kunst, die Herzen der Menschen im Sturm zu erobern und gleichzeitig die imperiale Grenze gegen das mächtige Oströmische Reich eisern zu sichern [49]. Als Umar ihn einmal in Syrien besuchte, trat Muawiyah ihm mit einem prächtigen, hochgerüsteten Kavallerie-Geleit und Leibwächtern entgegen [49]. Umar tadelte ihn wegen dieses scheinbaren byzantinischen Prunks [49]. Doch Muawiyah entgegnete kühl und staatsmännisch: „O Führer der Gläubigen! Wir befinden uns hier direkt auf den Augen der römischen Spione. Wenn wir nicht die majestätische Würde und Stärke des Staates demonstrieren, werden sie uns verachten, unsere Grenzen verletzen und uns feige ermorden!“ [49]. Umar blickte ihn an, schwieg und sprach voller Ehrfurcht [49]:
«مَا جَادَلْتُكَ فِي أَمْرٍ إِلَّا وَجَدْتُ لَكَ فِيهِ مَخْرَجًا وَرَأْيًا، لَا آمُرُكَ وَلَا أَنْهَاكَ»
„Ich habe niemals mit dir über eine Angelegenheit gestritten, ohne dass ich für dich darin eine kluge Rechtfertigung und eine weise Ansicht gefunden habe. Ich werde dich weder anweisen noch dir etwas verbieten!“ [49]
Der unbestechliche Gefährte Abdullah ibn Umar (عَبْدُ اللَّهِ بْنُ عُمَرَ) bezeugte diese majestätische Aura mit den Worten [49]:
«مَا رَأَيْتُ أَسْوَدَ مِنْ مُعَاوِيَةَ»
„Ich habe niemals einen Mann gesehen, der souveräner und herrschaftlicher [aswad] in seiner Führung war als Muawiyah!“ [49]
Als die Menschen ihn verwundert fragten: „Auch nicht dein Vater Umar oder Abu Bakr oder Ali?“, antwortete er mit tiefer historischer Präzision [49]:
«كَانُوا وَاللَّهِ خَيْرًا مِنْ مُعَاوِيَةَ، وَمُعَاوِيَةُ أَسْوَدُ مِنْهُمْ»
„Sie waren bei Allah allesamt besser und gottesfürchtiger als Muawiyah; doch Muawiyah war souveräner und herrschaftlicher [aswad] in seiner politischen Führung als sie!“ [49]
Muawiyah besaß die geostrategische Vision, die islamische Expansion auf das offene Meer zu verlegen [49]. Umar verbot dies aus Sorge um das Leben der Muslime [49]. Doch unter Uthman erneuerte Muawiyah seinen Antrag [49]. Uthman willigte unter einer weisen Bedingung ein: „Du darfst die Muslime nicht zwangsrekrutieren. Wer freiwillig geht, dem erlaube es. Und du musst deine eigene Ehefrau mit an Bord nehmen, damit du das Risiko deines eigenen Blutes teilst!“ [49].
Muawiyah baute die erste islamische Kriegsflotte auf, stieß im Jahr 28 n.H. in See und eroberte die strategische Festungsinsel Zypern (قُبْرُصُ) [49]. Es ist jener historische Triumph, den der Prophet ﷺ im Sahih al-Bukhari prophezeit hatte [49]:
«أَوَّلُ جَيْشٍ مِنْ أُمَّتِي يَغْزُونَ الْبَحْرَ قَدْ أَوْجَبُوا»
„Das erste Heer meiner Ummah, das auf dem Meere kämpft, hat sich das Paradies wahrlich zur Pflicht gemacht!“ [49]
Die 92-jährige Herrschaft der Umayyaden (41 n.H. – 132 n.H. / 661 n.Chr. – 750 n.Chr.) ist keine starre, monolithische Epoche [49]. Dr. Elhamy gliedert dieses gewaltige zivilisatorische Epos in vier dramatische, aufeinanderfolgende Phasen [49]:
[ Die vier Phasen des Reiches ]
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[ Die Gründung ] [ Die zweite Fitna ] [ Die goldene Ära ] [ Der Kollaps ]
(41 - 64 n.H.) (64 - 73 n.H.) (73 - 125 n.H.) (125 - 132 n.H.)
Dies ist der absolute, historische Höhepunkt der Dynastie [49]. Unter Abdul Malik und seinen vier Söhnen – mit dem unvergleichlichen, gerechten Reformer Umar II. ibn Abdul Aziz (عَمَرُ بْنُ عَبْدِ الْعَزِيزِ) dazwischen – erlebte die islamische Welt eine Epoche, die der Historiker Ibn Kathir mit den legendären Worten beschrieb: „Der Markt des Dschihad [سوق الجهاد] war in vollem Gange; es gab für sie keine andere Beschäftigung als diese.“ [49].
Mit dem Tod Hishams im Jahr 125 n.H. brach das innere Gleichgewicht der herrschenden Familie zusammen [49]. Schwache, ausschweifende oder unfähige Thronfolger stürzten das Reich in einen tödlichen Strudel aus Putschen und Stammesfehden [49]:
Die Umayyaden waren die allerletzte Dynastie, unter der die gesamte islamische Gemeinschaft in einem einzigen, ungeteilten Staat vereint war [49]. Nach ihrem Sturz im Jahr 132 n.H. war die Ummah nie wieder eine politische Einheit [49]. Weder die Abbasiden noch die Osmanen schafften es je, alle Muslime unter einem einzigen Herrscher zu vereinen [49].
Ein einziger Kalif in Damaskus befehligte ein Reich, das sich von den Toren Chinas bis in den Norden Frankreichs erstreckte [49]. Ein einfacher Reisender, Händler oder Gelehrter konnte damals seine Tasche packen und ohne Pässe, Grenzen, Visa, Zölle oder Schikanen durch diese unendliche Welt reisen [49]. Diese unermessliche geostrategische, wirtschaftliche und kulturelle Gnade haben wir nach den Umayyaden für immer verloren [49].
Die militärische Leistung dieser Epoche grenzt an ein reines Wunder [49]. Unter dem Kalifen Al-Walid I. kämpfte dieses Reich an vier gigantischen Fronten gleichzeitig [49]:
Vergleicht das mit den heutigen Supermächten! Die USA (die mächtigste Militärmacht unserer Zeit) versank im Irak und in Afghanistan im Schlamm und ruinierte sich wirtschaftlich, obwohl sie nur gegen zwei geschwächte, isolierte Länder kämpfte – und das im Rahmen einer globalen Koalition [49]. Die Umayyaden dagegen eroberten und befriedeten halbe Kontinente an vier Fronten gleichzeitig – und ihr Staat blieb wirtschaftlich und politisch stabil [49].
Das faszinierendste Phänomen dabei: Die eroberten Völker wurden selbst zu den stolzen Trägern des Staates. Als Musa ibn Nusayr und Tariq ibn Ziyad nach Al-Andalus übersetzten, bestand die absolute Mehrheit ihrer Armee aus frisch islamisierten Berbern aus Libyen und Tunesien [49]. Kein anderes Imperium der Weltgeschichte – weder die Römer, noch die Briten, Franzosen oder Amerikaner – hat es je geschafft, dass besiegte Völker sich freiwillig, aus tiefster innerer Überzeugung der Kultur und dem Glauben der Eroberer anschlossen und für sie begeistert in den Krieg zogen [49]. Es war eine beispiellose Befreiungsbewegung der Menschheit [49].
Bis zur Ära von Abdul Malik ibn Marwan nutzten die Muslime in den eroberten Gebieten die alten administrativen Strukturen [49]. In Ägypten schrieb man auf Koptisch, im Irak auf Persisch, und bezahlt wurde mit byzantinischen Goldmünzen und sassanidischen Silberdrachmen [49].
Abdul Malik vollzog einen genialen wirtschaftlichen Befreiungsschlag, der in seiner Tragweite der modernen Abkopplung des Dollars vom Goldstandard gleicht, jedoch ohne dessen Ausbeutungsmechanismen [49]:
Die Umayyaden regierten ein Weltreich, blieben aber im Herzen einfache Araber [49]. Es gab bei ihnen keine abgehobenen Palastprotokolle, kein sklavisches Niederwerfen, kein Küssen des Bodens vor dem Herrscher und keine künstlichen, hochtragenden Titel [49]. All dieser imperiale Prunk (das sogenannte „Hofzeremoniell der Könige“ / أدب الملوك) wurde erst später von den Abbasiden durch deren persische Berater eingeführt [49].
Unter den Umayyaden regierte der Kalif oft aus seinem normalen Haus [49]. Wenn ein einfacher Bürger unzufrieden war, ging er zum Kalifen und sprach ihn direkt mit seinem Vornamen an: „O Hisham ibn Abdul Malik!“ oder „O Walid!“ [49]. Und der Kalif hörte zu, ohne dass dem Bürger der Kopf abgeschlagen wurde [49]. Der große Gelehrte Ibn Hazm (ابْنُ حَزْمٍ) beschrieb dies treffend [49]:
«وَكَانَتْ دَوْلَةً عَرَبِيَّةً لَمْ يَكُنْ فِيهَا التَّسْوِيدُ وَلَا التَّقْبِيلُ»
„Und es war eine arabische Dynastie; es gab in ihr weder die künstliche Standeserhebung über die Menschen [Tasweed] noch das Küssen der Hand oder des Bodens [Taqbeel]!“ [49]
Viele fragen sich, warum die Umayyaden so gigantische Bauten wie den Felsendom (قُبَّةُ الصَّخْرَةِ) in Jerusalem oder die Umayyaden-Moschee (الْجَامِعُ الْأُمَوِيُّ) in Damaskus errichteten [49]. War das nicht Verschwendung [49]? Allein für den Felsendom wurden die Steuereinnahmen Ägyptens von sieben vollen Jahren aufgewendet [49]!
Doch das war keine eitle Prunksucht, sondern hochpräzise psychologische Kriegsführung [49]. In jener Zeit bauten die Byzantiner gewaltige, prachtvolle Kathedralen, um die Muslime einzuschüchtern und ihnen das Gefühl kultureller Minderwertigkeit zu geben [49]. Die Umayyaden erkannten, dass Schönheit und monumentale Architektur eine Waffe sind, die Ehrfurcht in die Herzen der Feinde pflanzt [49].
Als eine byzantinische Delegation unter Umar II. die Umayyaden-Moschee in Damaskus betrat, waren die Gesandten so überwältigt von der Pracht, dass sie zutiefst erschüttert sagten: „Wir dachten, die Araber seien nur temporäre Besatzer, die bald in ihre Wüste zurückkehren. Doch wer so baut, dessen Herrschaft wird niemals vergehen.“ [49]. Diese architektonische Meisterleistung brach den psychologischen Kampfgeist der Feinde, noch bevor ein einziger Schwertstreich fiel [49].
Jetzt kommen wir zum absoluten Kern der Debatte. Ich möchte, dass ihr mir ganz genau zuhört und euren Verstand einschaltet [49]!
Wenn du heute die Geschichtsbücher oder die Reden unserer zeitgenössischen Prediger hörst, klagen sie alle Muawiyah I. an, er habe die Schura zerstört und die Erbmonarchie (التَّوْرِيثُ) eingeführt, indem er seinen Sohn Yazid als Nachfolger deklarierte [49].
Ich frage dich: Warum brennen wir heute so sehr darauf, Muawiyah an den Pranger zu stellen? [49] Weil wir heute eine besiegte, gedemütigte Nation sind [49]. Und der Besiegte ist laut Ibn Khaldun psychologisch immer davon besessen, dem Sieger nachzueifern [49]. Wir sehen, dass die mächtigen Nationen des Westens (die USA, Großbritannien, Frankreich) durch Wahlen, Demokratie und Gewaltenteilung regiert werden [49]. In unserer geistigen Unterwerfung wollen wir unbedingt beweisen: „Schaut her, wir hatten das auch! Wir hatten Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali – das war unsere Demokratie! Und Muawiyah hat dieses wunderbare System zerstört!“ [49].
Das ist ein absurder, unhistorischer Vergleich und eine feige Flucht vor unserer eigenen Verantwortung! [49]
Lass uns die nackten Fakten betrachten [49]. Wir sprechen hier von einem Weltreich, das sich im 7. Jahrhundert von den Grenzen Chinas bis nach Südfrankreich erstreckte [49].
Ich stelle dir die entscheidende, staatsmännische Frage: Wie um alles in der Welt hätte Muawiyah in diesem unendlichen geografischen Raum eine funktionierende Wahl oder eine reichsweite Schura organisieren sollen? [49]
Sollte er Boten auf Pferden nach Spanien, Libyen, Ägypten, Persien und an die Grenzen Chinas schicken, um alle neu konvertierten Muslime und arabischen Stämme zusammenzurufen, damit sie in Medina oder Damaskus einen neuen Kalifen wählen? [49]. Bis die Boten angekommen wären, bis die Delegationen zurückgereist wären und sich geeinigt hätten, wäre das Riesenreich in ein Dutzend Teile zerfallen und im permanenten, blutigen Bürgerkrieg versunken [49]!
Muawiyah I. war kein naiver Träumer, sondern einer der schärfsten politischen Realisten der Weltgeschichte [49]. Er wusste, dass der Zusammenhalt des Reiches in jener Epoche einzig und allein auf dem Prinzip der Stammesloyalität und Gruppen-Solidarität (العصبية / Asabiyyah) beruhte [49]. Wenn er die Herrschaft nach seinem demütigen Tod offenlassen würde, ohne eine klare Nachfolge zu regeln, würden die verschiedenen arabischen Stämme (wie die jemenitischen und quraischitischen Fraktionen) sofort übereinander herfallen [49]. Die Ernennung seines Sohnes Yazid war eine pragmatische, lebenserhaltende Entscheidung zur Bewahrung des Staates und zum Schutz des Blutes der Muslime [49].
Ihr, die ihr den Westen so sehr bewundert, öffnet eure Augen für dessen Geschichte [49]!
Und da kommt ihr heute und verlangt im Ernst von Muawiyah vor 1400 Jahren, dass er ein perfektes, reichsweites demokratisches Schura-System für Millionen von neu eingetretenen Muslimen über drei Kontinente hinweg hätte einrichten sollen? [49].
Dr. Elhamy führt uns die bittere Wahrheit vor Augen [49]:
„Es ist eine unerträgliche Heuchelei! Ihr heute seid so schwach, so verzagt und so zerrüttet, dass ihr es nicht einmal wagt, eurem eigenen Herrscher oder einem einfachen Polizisten auf der Straße ein Wort der Kritik ins Gesicht zu sagen! [49]. Aber ihr besitzt die unverschämte Dreistigkeit, euch über Muawiyah I. zu erheben – einen Mann, der die gesamte bekannte Welt beherrschte, einte und zähmte! [49]. Das ist nichts anderes als ein billiges Alibi, um sich vor der eigenen heutigen Verantwortung zur Veränderung zu drücken!“ [49]
Muawiyah I. (معاوية بن أبي سفيان) über seine Herrschaftsphilosophie (Die sprichwörtliche „haarscharfe Diplomatie“):
„Ich setze mein Schwert nicht dort ein, wo meine Peitsche ausreicht. Und ich setze meine Peitsche nicht dort ein, wo meine Zunge genügt. Und wenn zwischen mir und den Menschen auch nur ein einziges Haar wäre, so würde es niemals reißen: Wenn sie daran ziehen, gebe ich nach; und wenn sie lockerlassen, ziehe ich an.“ [49] (Diese unsterbliche Aussage beschreibt die vollendete Kunst der Staatsführung: Die Ausübung von Macht durch Milde, Verhandlungsgeschick und psychologische Flexibilität anstelle von blinder, roher Gewalt.)
Muawiyah I. (معاوية بن أبي سفيان) über seinen Konflikt mit Ali ibn Abi Talib:
„Bei Allah, ich weiß ganz genau, dass Ali besser, tugendhafter und edler ist als ich. Aber wisst ihr denn nicht, dass Uthman zu Unrecht ermordet wurde? So sollen sie mir seine Mörder ausliefern, und ich werde Ali augenblicklich als meinen rechtmäßigen Kalifen die Treue schwören!“ [49] (Ein unbestreitbarer historischer Beweis dafür, dass der Konflikt zwischen den beiden Lagern kein theologischer Streit um den Glauben war, sondern eine rein juristische und politische Auseinandersetzung über die Priorität der Strafverfolgung der Mörder des Kalifen Uthman.)
Umar II. ibn Abdul Aziz (عمر بن عبد العزيز) über die Brutalität des Statthalters al-Hajjaj:
„Wenn jede Gemeinschaft der Menschheit am Jüngsten Tag mit ihrem schlimmsten Tyrannen antritt, und wir würden nur mit al-Hajjaj ibn Yusuf aufkreuzen – wir würden sie alle an Grausamkeit übertreffen.“ [49] (Eine kompromisslose Verurteilung der brutalen Gewaltpolitik des berüchtigten umayyadischen Statthalters al-Hajjaj durch den eigenen, gerechten umayyadischen Kalifen.)
Hisham ibn Abdul Malik (هشام بن عبد الملك) über den demografischen Wandel im Reich:
„Entweder wird diese Herrschaft den Arabern endgültig entgleiten, oder die nicht-arabischen Muslime (الموالي) werden bald die wahren Meister dieses Volkes sein.“ [49] (Eine scharfsinnige und fast prophetische Analyse des späten Kalifen über den unaufhaltbaren Aufstieg der nicht-arabischen Muslime in Verwaltung und Militär, was sich kurz darauf in der abbasidischen Revolution bewahrheiten sollte.)
Gegründet auf den historischen Analysen von Dr. Mohamed Elhamy in Episode 22. [49]